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Wie Blut vom Spender zum Empfänger kommt

Bei großem Blutverlust oder bei massiv gestörter Blutbildung ist der Patient auf Blut eines Spenders angewiesen. Jährlich werden in Deutschland rund sechs Millionen Beutel mit Blut oder Blutbestandteilen übertragen. [1]

Wie Blut vom Empfänger zum Spender kommt

Durch Bluttransfusionen werden jedes Jahr viele Menschenleben gerettet. Das Blut, das bei einer Transfusion übertragen wird, stammt von freiwilligen Blutspendern. Dieses Blut wird sorgfältig untersucht und aufbereitet. In der Regel wird es in seine Bestandteile aufgetrennt und dann als Blutkonserve in einer sogenannten Blutbank gelagert.

Blutspender müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen

Grundsätzlich dürfen alle Personen im Alter von 18 bis 68 Jahren Blut spenden (Erstspender dürfen nicht älter als 60 Jahre sein); nach Absprache mit dem Arzt können auch ältere Menschen als Spender zugelassen werden. Weitere Voraussetzungen sind ein Körpergewicht von mindestens 50 kg und ein stabiler Blutdruck. [2]

Dauerhaft von einer Blutspende ausgeschlossen sind hingegen: [2,3,8]

  • Menschen, die an chronischen Krankheiten leiden oder litten, bei denen die Blutspende eine Gefährdung des Spenders oder des Empfängers nach sich ziehen kann, z. B. schwere Herzerkrankung, Schlaganfall
  • Menschen, die an Epilepsie leiden
  • Menschen mit schwerer Neurodermitis mit hohen IgE-Spiegeln
  • Menschen, die sich zwischen 1980 und 1996 in Großbritannien/Nordirland aufgehalten haben bzw. sich dort einer Operation/Transfusion unterzogen haben
  • Menschen, mit schweren Infektionen wie z. B. HIV oder Hepatitis oder einer Krebserkrankung
  • Menschen, die drogen-, alkohol- oder medikamentenabhängig sind
  • Menschen mit einem deutlich erhöhten Risiko für eine Hepatitis- oder HIV-Infektion, z. B. homo- und bisexuelle Männer, männliche und weibliche Prostituierte
  • Menschen, die in einem Malariagebiet geboren oder aufgewachsen sind bzw. längere Zeit dort gelebt haben oder an Malaria erkrankt waren
  • Menschen, die jemals Hypophysenhormone menschlichen Ursprungs erhalten haben
  • Menschen, die Hirnhaut- oder Hornhauttransplantate erhalten haben

Potenzielle Blutspender können vorübergehend von einer Blutspende ausgeschlossen werden: [2,8]

  • Wenn sie an einem unkomplizierten Infekt (für 1 Woche ausgeschlossen) bzw. einer fieberhaften Erkrankung oder Durchfallerkrankung (für 4 Wochen ausgeschlossen) leiden
  • Bei Bluthochdruck oder stark erhöhten Blutfettwerten
  • Nach Einnahme bestimmter Medikamente und Antibiotika
  • Nach Zeckenstich
  • Nach Operation, Zahnextraktion, Impfungen sowie Tätowierungen oder Piercings
  • Während und bis zu sechs Monate nach einer Schwangerschaft

Innerhalb von 12 Monaten dürfen Männer maximal 6-mal, Frauen maximal 4-mal Blut spenden. Das liegt daran, dass es vor allem bei Frauen, die in der Regel ein geringeres Körpergewicht aufweisen und daher normalerweise weniger Blut als Männer haben, durch zu häufiges Blutspenden zu einem Eisenmangel kommen kann. Außerdem verlieren Frauen bereits durch die Menstruation monatlich Blut. Zwischen zwei Blutspenden sollte ein Mindestabstand von 8 Wochen liegen, damit der Körper den Blutverlust wieder ausgleichen kann. [2,4]

So läuft eine Blutspende ab

Vor jeder Blutspende überprüft der Arzt, ob die Person als Spender geeignet ist. Dabei wird der potenzielle Blutspender zu möglichen Erkrankungen befragt. Im Anschluss entnimmt ihm der Arzt einen Tropfen Blut und bestimmt den Anteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, um eine Blutarmut (Anämie) auszuschließen. In einer nachfolgenden ärztlichen Untersuchung misst der Arzt die Körpertemperatur und den Blutdruck. [2,5]

Bei einer Eignung als Spender werden der Person zunächst einige Blutproben für nachfolgende Untersuchungen separat entnommen. Im Anschluss beginnt die eigentliche Blutspende. Dazu wird dem Spender im Liegen aus einer Vene der Ellenbeuge etwa 500 ml Blut entnommen. Dieses fließt über einen Schlauch in ein Beutelsystem. Die Blutspende dauert circa 5 bis 10 Minuten. [6]

Das gespendete Blut wird aufbereitet

Schon bei der Blutspende wird das Blut in ein geschlossenes Beutelsystem geleitet, in dem sich eine Substanz befindet, die die Gerinnung des Blutes unterbindet. Dieses System besteht aus mehreren Beuteln, die über Schläuche fest miteinander verbunden sind. [7]

Vollblut, das alle natürlichen Bestandteile enthält, wird heutzutage kaum noch übertragen. In der Regel werden die einzelnen Blutbestandteile durch Filtern und Zentrifugieren voneinander getrennt und in die jeweils passenden Kammern des Beutelsystems geleitet. Dieses bleibt während des gesamten Vorgangs geschlossen, sodass Verunreinigungen vermieden werden. [7]

Die drei Endprodukte der Aufbereitung sind ein Konzentrat aus roten Blutkörperchen (Erythrozytenkonzentrat), ein Konzentrat aus Blutplättchen (Thrombozytenkonzentrat) und Blutflüssigkeit (Blutplasma), die aus Wasser und verschiedenen gelösten Substanzen besteht. Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) werden während der Aufbereitung entfernt.

Das Erythrozytenkonzentrat kann – nach Zugabe einer Stabilisatorlösung – bei 4 °C bis zu 42 Tage gelagert werden. Das Blutplasma wird bei -30 bis -40 °C tiefgefroren und ist bis zu einem Jahr haltbar. Das Thrombozytenkonzentrat hält sich bei 20 bis 24 °C fünf Tage lang. Die Blutkonserven werden in sogenannten Blutbanken z. B. in Kliniken oder beim Deutschen Roten Kreuz gelagert. [7]

Laboruntersuchungen sorgen für Sicherheit

Die vor der Blutspende entnommenen Blutproben werden im Labor auf mögliche Infektionen hin untersucht, wie z. B. HIV, Hepatitis oder die Geschlechtskrankheit Syphilis. Außerdem wird die Blutgruppe des gespendeten Bluts bestimmt und ein sogenanntes Blutbild erstellt, das die Zahl der roten und weißen Blutkörperchen, der Blutplättchen und den Gehalt des roten Blutfarbstoffs ausweist. Ergeben die Untersuchungen Unregelmäßigkeiten bei den Blutwerten oder Hinweise auf eine Infektion, wird der Spender informiert. Gegebenenfalls findet eine Nachuntersuchung statt. [2]

Die einzelnen Blutbestandteile werden unterschiedlich weiterverwendet

Erst wenn die Laboruntersuchung keine Auffälligkeiten ergeben hat, dürfen die Blutkonserven weiterverwendet werden. Hier gibt es je nach Art der Blutkonserve verschiedene Einsatzmöglichkeiten: [7]

  • Erythrozytenkonzentrate werden dort eingesetzt, wo früher Vollblut verwendet wurde, z. B. bei Störungen der Blutbildung, aber auch bei hohem Blutverlust nach Unfällen oder Operationen. Pro Erythrozytenkonzentrat werden dem Körper 200–250 mg Eisen zugeführt. Werden im Rahmen einer Transfusionstherapie häufiger Blutkonserven verabreicht, kann dies zu einer behandlungsbedürftigen Eisenüberladung führen.
  • Thrombozytenkonzentrate dienen dazu, einen krankheitsbedingten Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) auszugleichen. Thrombozyten spielen eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung und sorgen z. B. dafür, dass nach einer Verletzung die Blutung wieder zum Stillstand kommt.
  • Der überwiegende Teil des Blutplasmas wird durch die Pharmaindustrie weiter verarbeitet, die daraus Gerinnungspräparate oder andere Medikamente herstellt. Plasma wird aber auch unverändert z. B. auf Patienten mit schwerer Gerinnungsstörung übertragen, da die Blutflüssigkeit Gerinnungsfaktoren enthält.

Vollblut wird heute kaum noch für eine Transfusion verwendet. Zum einen wird das Blut effektiver genutzt, wenn die Patienten nur die Bestandteile erhalten, die sie benötigen. Außerdem ist bei der Verwendung von Vollblut die Gefahr größer, dass z. B. Unverträglichkeitsreaktionen auf die anderen, nicht benötigten Blutbestandteile auftreten. [7]

Quellen:

  1. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Verbrauch von Blutprodukten durch Transfusionen. https://www.gbe-bund.de/oowa921-install/servlet/oowa/aw92/dboowasys921.xwdevkit/xwd_init?gbe.isgbetol/xs_start_neu/&p_aid=i&p_aid=55154729&nummer=687&p_sprache=D&p_indsp=-&p_aid=37872612 (zuletzt besucht am 04.07.2015).
  2. Gesundheitsportal Onmeda. Blutspende; Stand: 2014. http://www.onmeda.de/arztbesuch/untersuchung_behandlung/blutspende.html  (zuletzt besucht am 04.07.2015).
  3. Blutspendedienst Hamburg. Dauerhafte Ausschluss-Kriterien: Wann darf ich dauerhaft kein Blut spenden? http://www.blutspendehamburg.de/blutspender-gesucht/ausschluss (zuletzt besucht am 04.07.2015).
  4. Universitätsklinik Tübingen. Blut spenden – Leben retten; Stand: 2014. http://www.medizin.uni-tuebingen.de/Patienten/Wissenswert+von+A+bis+Z-p-636/Blutspende.html )(zuletzt besucht am 04.07.2015).
  5. Deutsches Rotes Kreuz. Ablauf einer Blutspende; Stand: 2014. http://www.drk-blutspende.de/informationen-zur-blutspende/spenderinformationen.php (zuletzt besucht am 04.07.2015).
  6. Informationsportal Blutspende & Plasmaspende. Ablauf einer Blutspende - Eine Schritt für Schritt Beschreibung nicht nur für erstmalige Blutspender. http://www.blutspende-plasmaspende.de/informationen/ablauf-einer-blutspende-eine-schritt-fur-schritt-beschreibung-nicht-nur-fur-erstmalige-blutspender/ (zuletzt besucht am 04.07.2015).
  7. Deutsches Rotes Kreuz (DRK). Präparate. http://www.drk-blutspende.de/bildung-und-wissen/wissen/komponententrennung.php (zuletzt besucht am 20.01.2015).
  8. Rotes Kreuz Österreich http://www.roteskreuz.at/blutspende/informationen-zur-blutspende/wer-darf-blutspenden/ (zuletzt besucht am 20.01.2015).
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