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Blutgruppen als Grundlage für Bluttransfusionen

Bei einer Bluttransfusion müssen die Blutgruppen von Spender und Empfänger zueinanderpassen. Andernfalls kann es zu lebensgefährlichen Unverträglichkeitsreaktionen kommen.

Blutgruppen als Grundlage für BluttransfusionenDas menschliche Blut besteht aus festen Blutbestandteilen und Blutflüssigkeit (Blutplasma). Feste Bestandteile sind rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten). Das Blutplasma besteht zu 90 % aus Wasser und zu 10 % aus verschiedenen gelösten Substanzen wie Eiweißen und Nährstoffen. [1]

Bei Erkrankungen des blutbildenden Systems werden häufig Bluttransfusionen erforderlich, um beispielsweise einen Mangel an funktionsfähigen roten Blutkörperchen auszugleichen. Bei einer Bluttransfusion werden einem Menschen (Empfänger) Blut oder Blutbestandteile eines anderen Menschen (Spender) übertragen. In manchen Fällen kann auch eine Eigenblutspende durchgeführt werden, z. B. vor geplanten Operationen.

Dabei ist es unbedingt notwendig, dass die Blutgruppen von Spender und Empfänger zueinanderpassen, da es sonst im Körper des Empfängers zu lebensgefährlichen Abwehrreaktionen kommen kann. Um die Verträglichkeit sicherzustellen, werden vor der Blutübertragung mehrere Tests durchgeführt.

Was ist eine Blutgruppe?

Blut ist nicht gleich Blut. Man unterscheidet beim Menschen verschiedene Blutgruppen, beispielsweise A, B, AB und 0. Um welche Blutgruppe es sich handelt, wird durch bestimmte Merkmale auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen festgelegt. [1]

Diese Merkmale bezeichnet man als sogenannte Antigene. Das sind komplexe chemische Verbindungen, die durch das menschliche Immunsystem erkannt werden und dieses gegebenenfalls zur Bildung von Abwehrstoffen (Antikörper), anregen können. [1] Die verschiedenen Blutgruppen können wiederum verschiedenen Blutgruppensystemen zugeordnet werden. Für eine Bluttransfusion sind vor allem das AB0-System und das Rhesus-System von Bedeutung. [1]

Die Blutgruppen werden von den Eltern auf ihre Kinder vererbt und bleiben das ganze Leben über bestehen. [1]

AB0-Blutgruppensystem

Beim AB0-Blutgruppensystem werden die vier Blutgruppen A, B, AB und 0 unterschieden [1]. Blutgruppe A bedeutet dabei, dass auf der Oberfläche der roten Blutzellen das sogenannte Antigen A vorhanden ist [1]. Menschen mit der Blutgruppe B besitzen dementsprechend das Antigen B. Bei Blutgruppe 0 sind keine Antigene vorhanden und bei Blutgruppe AB sowohl A als auch B [1]. In Deutschland ist die Blutgruppe A mit einer Häufigkeit von 43 % am weitesten verbreitet, gefolgt von Blutgruppe 0 mit 42 %, Blutgruppe B mit 11 % und Blutgruppe AB mit 5 % [1].

Jeder Mensch bildet in seinem Blutplasma bereits kurz nach der Geburt Abwehrstoffe (Antikörper), die gegen die Antigene fremder Blutgruppen gerichtet sind. So hat ein Mensch mit Blutgruppe A in seinem Blutplasma Antikörper gegen das Antigen B. Dieses Blut reagiert also unverträglich auf Blut der Blutgruppe B sowie der Blutgruppe AB. Ein Patient mit Blutgruppe 0 hat Antikörper gegen alle anderen Blutgruppen gebildet und verträgt daher auch nur Blut, das ebenfalls die Blutgruppe 0 aufweist. Menschen mit der Blutgruppe AB haben weder gegen Antigen A noch B Antikörper in ihrem Blut und können deshalb alle anderen Blutgruppen des AB0-Systems empfangen [1].

Erhält ein Patient eine Transfusion von Blut, dessen Blutgruppe unverträglich zu seinem eigenen Blut ist, attackieren die Antikörper im Blutplasma des Patienten die fremden Blutkörperchen: Es kommt zur Verklumpung des Bluts (Agglutination). Massive Herz-Kreislauf-Störungen, ein schwerer allergischer Schock und Nierenversagen können die Folge sein. Ein solcher Transfusionszwischenfall ist für den Patienten sehr gefährlich. [2]

Rhesus-System

Neben dem AB0-System muss auch das sogenannte Rhesus-System vor einer Transfusion untersucht und bestimmt werden. Zu diesem System gehört unter anderem das Antigen D („Rhesusfaktor"). Etwa 85 % der Menschen in Deutschland haben dieses Antigen auf ihren Blutkörperchen und sind somit Rhesus-positiv (Rh+). Den übrigen 15 % fehlt das Rhesus-Antigen. Sie werden als Rhesus-negativ (Rh-) bezeichnet. [1,3]

Anders als beim AB0-System bilden Rhesus-negative Menschen nicht unmittelbar nach der Geburt automatisch Antikörper gegen den Rhesusfaktor, sondern erst, nachdem sie das erste Mal mit Rh-positivem Blut in Berührung gekommen sind. Dies kann z. B. durch eine Bluttransfusion passieren oder bei einer Rh-negativen Mutter während der Geburt eines Rh-positives Kindes. [1,3]

Beim zweiten Kontakt eines Rh-negativen Menschen mit Rh-positivem Blut kann es dann zu einer lebensbedrohlichen Unverträglichkeitsreaktion kommen. Daher muss bei Bluttransfusionen darauf geachtet werden, dass Spender- und Empfängerblut auch bezüglich des Rhesusfaktors zueinanderpassen. Keine Folgen hat die Übertragung von Rh-negativem Blut auf Rh-positive Empfänger, so dass die Ärzte es im Notfall einsetzen können. [1,3]

Bedeutung der Blutgruppen für die Bluttransfusion

Bei einer Bluttransfusion müssen also Empfänger- und Spenderblut verträglich sein, d. h. im Idealfall sollten die Blutgruppen des AB0-Systems und die des Rhesus-Systems jeweils übereinstimmen. Im Notfall können hier Ausnahmen gemacht werden: Patienten mit Blutgruppe AB Rhesus-positiv gelten als Universalempfänger, da sie selbst keine Antikörper gegen andere Blutgruppen des AB0-Systems und des Rhesus-Systems bilden. Sie dürfen daher Blut jeder Blutgruppe erhalten. Demgegenüber gelten Menschen mit Blut der Blutgruppe 0 Rhesus-negativ als Universalspender, da deren Blut keine Antigene enthält und daher prinzipiell von jedem Patienten vertragen werden kann. [4]

Vor jeder Blutübertragung lässt der Arzt die Blutgruppe des Patienten im Labor ermitteln. In der Blutbank wird eine passende Blutkonserve für die Transfusion ausgewählt. Durch verschiedene Tests direkt im Vorfeld der Blutübertragung [Verlinkung zum Artikel Bluttransfusionen – ein Überblick] wie Kreuzprobe und Bedside-Test sichert der Arzt die Verträglichkeit des Spender- und Empfängerbluts noch einmal ab. Dadurch können schwere Transfusionszwischenfälle heutzutage weitestgehend ausgeschlossen werden.

Quellen:

  1. Gesundheitsportal Onmeda. Blutgruppen; Stand 2012. http://www.onmeda.de/arztbesuch/laborwerte/blut/blutgruppen.html (zuletzt besucht am 05.07.2015).
  2. Gesundheitsportal Onmeda. Bluttransfusion (Blutübertragung); Stand 2014. http://www.onmeda.de/arztbesuch/untersuchung_behandlung/bluttransfusion.html (zuletzt besucht am 05.07.2015).
  3. Gesundheitsportal Medizininfo. Der Rhesusfaktor. http://www.medizinfo.de/labormedizin/haematologie/rhesusfaktor.shtml (zuletzt besucht am 05.07.2015).
  4. Gesundheitsportal netdoktor.at. Bluttransfusion http://www.netdoktor.at/therapie/bluttransfusion-8760 (zuletzt besucht am 05.07.2015).

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