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BLUTBILDUNG – NORMALZUSTAND UND KRANKHAFTE VERÄNDERUNGEN

Das Blut erfüllt lebenswichtige Aufgaben im Körper. Seine Bildung erfolgt überwiegend im Knochenmark. Doch was geschieht da genau und was passiert, wenn die Blutbildung durch eine Krankheit gestört wird?

Je nach Größe und Gewicht zirkulieren im Körper eines erwachsenen Menschen zwischen vier und sieben Liter Blut. Es erfüllt eine Vielzahl wichtiger Aufgaben:
Das Blut:

  • versorgt die Gewebe und Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen.
  • transportiert Hormone und andere Botenstoffe an ihren Bestimmungsort.
  • entsorgt Stoffwechsel- und Abfallprodukte.
  • reguliert Körpertemperatur und pH-Wert.
  • hält den Wasser- und Elektrolythaushalt aufrecht.

Eine weitere wichtige Funktion des Blutes ist es, Abwehrzellen an den Ort einer Entzündung zu bringen oder eingedrungene Krankheitserreger zu eliminieren. All diese Aufgaben übernehmen verschiedene Bestandteile Blutes1.

BLUT BESTEHT AUS ZELLEN UND FLÜSSIGKEIT

Das Blut setzt sich aus dem Blutplasma und festen Blutbestandteilen (Hämatokrit) zusammen. Blutplasma besteht zu 90–95 % aus Wasser. Den übrigen Teil machen gelöste Stoffe aus, unter anderem Bluteiweiße und Elektrolyte. Der Hämatokrit setzt sich aus den unterschiedlichen Blutzellen zusammen.

Dies sind:

  • Rote Blutkörperchen (Erythrozyten): Sie sind für den Sauerstofftransport zuständig und enthalten den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) und darin gebundenes Eisen.
  • Weiße Blutkörperchen (Leukozyten): Diese sind ein Teil der Immunabwehr.
  • Blutplättchen (Thrombozyten): Sie sorgen für die Blutgerinnung1,2.
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BLUTZELLEN ENTSTEHEN IM KNOCHENMARK

Die Bildung von Blutzellen beginnt im Knochenmark, das zum Beispiel in den Beckenknochen, den Wirbelkörpern und den Schulterblättern vorkommt. Im Knochenmark befinden sich die Stammzellen. Aus ihnen gehen alle Blutzellarten hervor. Stammzellen können sich unbegrenzt vermehren und über mehrere Zwischenstufen (Vorläuferzellen) zu den verschiedenen Zelltypen entwickeln (siehe Abb.). Die reifen Blutzellen werden aus dem Knochenmark ins Blut freigesetzt und übernehmen ihre Funktion im Körper. Weitere Orte der Blutbildung (Hämatopoese) sind die Thymusdrüse und die Milz (im Kindesalter) sowie das Lymphgewebe (wie Lymphknoten)1,2.

Verschiedene Erkrankungen können zu einer Störung der Blutbildung führen. Hierzu gehören einige erblich bedingte Erkrankungen, wie die z. B. die Sichelzellkrankheit oder Thalassämie, oder Krebserkrankungen, wie Leukämien oder Myelodysplastische Syndrome (MDS). Aber auch äußere Einflüsse wie Mangelerscheinungen (Eisenmangel, Vitaminmangel), Bestrahlungstherapie bei Krebserkrankungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente können die Blutbildung aus dem Gleichgewicht bringen.

BLUTGRUPPEN ALS GRUNDLAGE FÜR BLUTTRANSFUSIONEN

Bei einer Bluttransfusion müssen die Blutgruppen von Spender und Empfänger zueinanderpassen. Andernfalls kann es zu lebensgefährlichen Unverträglichkeitsreaktionen kommen.

Das menschliche Blut besteht aus festen Blutbestandteilen und Blutflüssigkeit (Blutplasma). Feste Bestandteile sind rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten). Das Blutplasma besteht zu 90 % aus Wasser und zu 10 % aus verschiedenen gelösten Substanzen wie Eiweißen und Nährstoffen3.

Bei Erkrankungen des blutbildenden Systems werden häufig Bluttransfusionen erforderlich, um beispielsweise einen Mangel an funktionsfähigen roten Blutkörperchen auszugleichen. Bei einer Bluttransfusion werden einem Menschen (Empfänger) Blut oder Blutbestandteile eines anderen Menschen (Spender) übertragen. In manchen Fällen kann auch eine Eigenblutspende durchgeführt werden, z. B. vor geplanten Operationen.

Dabei ist es unbedingt notwendig, dass die Blutgruppen von Spender und Empfänger zueinanderpassen, da es sonst im Körper des Empfängers zu lebensgefährlichen Abwehrreaktionen kommen kann. Um die Verträglichkeit sicherzustellen, werden vor der Blutübertragung mehrere Tests durchgeführt.

WAS IST EINE BLUTGRUPPE?

Blut ist nicht gleich Blut. Man unterscheidet beim Menschen verschiedene Blutgruppen, beispielsweise A, B, AB und 0. Um welche Blutgruppe es sich handelt, wird durch bestimmte Merkmale auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen festgelegt3. Diese Merkmale bezeichnet man als sogenannte Antigene. Das sind komplexe chemische Verbindungen, die durch das menschliche Immunsystem erkannt werden und dieses gegebenenfalls zur Bildung von Abwehrstoffen (Antikörper) anregen können3. Die verschiedenen Blutgruppen können wiederum verschiedenen Blutgruppensystemen zugeordnet werden. Für eine Bluttransfusion sind vor allem das AB0-System und das Rhesus-System von Bedeutung3. Die Blutgruppen werden von den Eltern auf ihre Kinder vererbt und bleiben das ganze Leben über bestehen3.

AB0-BLUTGRUPPENSYSTEM

Beim AB0-Blutgruppensystem werden die vier Blutgruppen A, B, AB und 0 unterschieden3. Blutgruppe A bedeutet dabei, dass auf der Oberfläche der roten Blutzellen das sogenannte Antigen A vorhanden ist3. Menschen mit der Blutgruppe B besitzen dementsprechend das Antigen B. Bei Blutgruppe 0 sind keine Antigene vorhanden und bei Blutgruppe AB sowohl A als auch B3.

In Deutschland ist die Blutgruppe A mit einer Häufigkeit von 43 % am weitesten verbreitet, gefolgt von Blutgruppe 0 mit 42 %, Blutgruppe B mit 11 % und Blutgruppe AB mit 5 %3.

RHESUS-SYSTEM

Neben dem AB0-System muss auch das sogenannte Rhesus-System vor einer Transfusion untersucht und bestimmt werden. Zu diesem System gehört unter anderem das Antigen D („Rhesusfaktor"). Etwa 85 % der Menschen in Deutschland haben dieses Antigen auf ihren Blutkörperchen und sind somit Rhesus-positiv (Rh+). Den übrigen 15 % fehlt das Rhesus-Antigen. Sie werden als Rhesus-negativ (Rh-) bezeichnet3,4.

BEDEUTUNG DER BLUTGRUPPEN FÜR DIE BLUTTRANSFUSION

Bei einer Bluttransfusion müssen also Empfänger- und Spenderblut verträglich sein, d. h. im Idealfall sollten die Blutgruppen des AB0-Systems und die des Rhesus-Systems jeweils übereinstimmen.

Im Notfall können hier Ausnahmen gemacht werden: Patienten mit Blutgruppe AB Rhesus-positiv gelten als Universalempfänger, da sie selbst keine Antikörper gegen andere Blutgruppen des AB0-Systems und des Rhesus-Systems bilden. Sie dürfen daher Blut jeder Blutgruppe erhalten.

Demgegenüber gelten Menschen mit Blut der Blutgruppe 0 Rhesus-negativ als Universalspender, da deren Blut keine Antigene enthält und daher prinzipiell von jedem Patienten vertragen werden kann5.

Vor jeder Blutübertragung lässt der Arzt die Blutgruppe des Patienten im Labor ermitteln. In der Blutbank wird eine passende Blutkonserve für die Transfusion ausgewählt. Durch verschiedene Tests direkt im Vorfeld der Blutübertragung wie Kreuzprobe und Bedside-Test sichert der Arzt die Verträglichkeit des Spender- und Empfängerbluts noch einmal ab. Dadurch können schwere Transfusionszwischenfälle heutzutage weitestgehend ausgeschlossen werden.

QUELLEN:

  1. Gekle et al: Taschenlehrbuch Physiologie, Thieme Verlag, 2010.
  2. Delbrück: Leben mit CML, W.Kohlhammer GmbH, 3. Auflage, 2008.
  3. Gesundheitsportal Onmeda. Blutgruppen; Stand 2012. http://www.onmeda.de/arztbesuch/laborwerte/blut/blutgruppen.html (zuletzt besucht am 15.05.2019).
  4. Gesundheitsportal Medizininfo. Der Rhesusfaktor. http://www.medizinfo.de/labormedizin/haematologie/rhesusfaktor.shtml (zuletzt besucht am 15.05.2019).
  5. Gesundheitsportal netdoktor.at. Bluttransfusion http://www.netdoktor.at/therapie/bluttransfusion-8760 (zuletzt besucht am 15.05.2019).