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Eisenüberladung – was ist das und wie erfolgt die Diagnose?

Wenn Patienten wiederholte Bluttransfusionen erhalten und dabei mit den roten Blutkörperchen übermäßig viel Eisen zugeführt wird, kann es zu Eisenüberladung kommen. Um diese zu diagnostizieren, werden verschiedene Laborwerte im Blut oder Gewebe bestimmt.

Bluttransfusionen - Ein Überblick Das Spurenelement Eisen spielt eine wichtige Rolle im menschlichen Körper. Eisen dient z. B. dem Sauerstofftransport oder der Funktion von Enzymen. Der Eisengesamtbestand im Körper beträgt beim gesunden Menschen ca. 4–5 g. Zum größten Teil findet sich Eisen im roten Blutfarbstoff (67 %), dem Hämoglobin, der für den Sauerstofftransport im Blut zuständig ist. Außerdem ist Eisen in Form des so gennannten Speichereisens (27 %) vor allem in Leber, Milz und Knochenmark gespeichert, aber auch als Funktionseisen in Muskeln und Enzymen enthalten. Ein kleiner Anteil des Eisens ist im Blut an das Transportprotein Transferrin gebunden. Transferrin transportiert Eisen zu den Zellen. [1]


Zuviel Eisen führt zu Eisenüberladung

In einem gesunden Körper halten sich Zufuhr von Eisen über die Nahrung und der Verlust von Eisen (z. B. über Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder Menstruation) in etwa die Waage. Nur wenn eine Stoffwechselstörung vorliegt, bei der verstärkt Eisen über den Darm aufgenommen wird (primäre Eisenspeicherkrankheit), oder wenn z. B. bei wiederholten Bluttransfusionen mit den zugeführten roten Blutkörperchen übermäßig Eisen zugeführt wird (sekundäre Eisenspeicherkrankheit), kann es zu einer Anhäufung von Eisen im Körper (= Eisenüberladung) kommen.

Denn anders als bei vielen anderen Substanzen kann der Körper ein Zuviel an Eisen nicht durch aktive Ausscheidung (z. B über den Urin) ausgleichen. Bei vermehrter Eisenzufuhr, beispielsweise im Rahmen von wiederholten Bluttransfusionen, wird deshalb die Transport- und Speicherkapazität für Eisen relativ rasch überschritten. Eisen, das weder an Transferrin im Blut gebunden oder als Ferritin gespeichert werden kann, liegt dann als so genanntes freies Eisen im Blut vor. [2]

Um Organschäden zu vermeiden, ist es vor allem bei wiederholten Bluttransfusionen wichtig, eine Eisenüberladung frühzeitig zu erkennen und zu vorbeugend zu behandeln. Hierzu wird Ihnen der behandelnde Arzt spezielle Medikamente, so genannte Eisenchelatoren, verordnen. [4, 5]

Form des Eisens

Erläuterung

Anteil im Körper (Normwert)

Ferritin

Speicherform des Eisens im Organismus

60–180 µg/L

Transferrin

Protein, das Eisen im Blut transportiert

15–45 % des gesamten Eisens im Blut

Freies, nicht Transferrin-gebundenes Eisen

Freies Eisen, das schädliche Sauerstoffradikale bilden kann

Bildet sich, wenn die Bindungs- und Speicherkapazität für Eisen überschritten wird

Tab. 1: Übersicht über die verschiedenen Eisenformen im Körper

Diagnostik der Eisenüberladung

Eine Einschätzung des Eisenbestands im Körper lässt sich am einfachsten durch Blutuntersuchungen ermöglichen. Folgende Laborwerte im Blut werden hierzu bestimmt: [2,5]

  • Serumferritin
  • Transferrinsättigung

Die Normwerte für Serumferritin liegen beim gesunden Erwachsenen bei 60–180 µg/L, bei Patienten mit Eisenüberladung können jedoch Werte von > 1.000 µg/L erreicht werden. Serumferritin kann allerdings nur eingeschränkt zur Diagnostik einer Eisenüberladung herangezogen werden. Denn Serumferritin ist ein Akut-Phase-Protein, das auch bei vielen anderen Erkrankungen, wie z. B. Infektionen oder Entzündungen, verändert sein. Bei regelmäßiger Bestimmung kann das Serumferritin jedoch zur Beurteilung der Wirksamkeit einer Therapie mit Eisenchelatoren dienen.

Die Transferrinsättigung gibt an, zu wie viel Prozent die Gesamt-Eisenbindungskapazität mit Eisen gesättigt ist. Die Normwerte liegen hier bei 15–45 %. Bei Eisenüberladung kann dieser Wert bis auf 100 % ansteigen. [1]

Vor Beginn einer Therapie mit Eisenchelatoren kann ergänzend zu den Blutuntersuchungen die Lebereisenkonzentration bestimmt werden, um die Diagnose zu sichern. Hierzu werden auch bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) und andere Gewebeuntersuchungen eingesetzt.

Autor: Michaela Spaeth-Dierl
Aktualisierung: Dr. Ruth Wissler

Quellen:

  1. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 261. Auflage, de Gruyter, 2007.
  2. www.kinderblutkrankheiten.de/content/erkrankungen/rote_blutzellen/sekundaere_eisenueberladung/ursachen/eisenstoffwechselstoerungen_bei_angeborenen_anaemien/index_ger.html (zuletzt besucht am 20.02.2017)
  3. Gattermann, N: Therapie der sekundären Hämochromatose. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(30): 499–504.
  4. http://www.novartis.de/therapiebereiche/Stoffwechselerkrankungen/eisenueberladung.shtml (zuletzt besucht am 20.02.2017)
  5. AWMF-Leitlinien zur Therapie und Diagnostik der sekundären Eisenüberladung 6/2015 http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/025-029l_S2k_sekund%C3%A4re_Eisen%C3%BCberladung_bei_angeborenen_An%C3%A4mien_2015-07.pdf (zuletzt besucht am 20.02.2017)
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