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MDS-Therapie – ein Überblick

Bei myelodysplastischen Syndromen (MDS) gibt es verschiedene Therapieoptionen. Die meisten haben zum Ziel, die Erkrankung zu stabilisieren und Symptome zu lindern. Eine Heilung ist nur durch eine Stammzelltransplantation möglich. [1]

MDS-Therapie – ein ÜberblickFür die Behandlung myelodysplastischer Syndrome (MDS) gibt es kein Standardverfahren. Es stehen mehrere Behandlungsoptionen zur Verfügung, allerdings ist nicht jede Option für jeden Patienten gleichermaßen geeignet. In den meisten Fällen zielt die Therapie darauf ab, die Krankheit zu stabilisieren und eine Besserung der Symptome zu erreichen. Eine Heilung ist nur durch die Transplantation von Stammzellen möglich.

Das Risikoprofil entscheidet über die Therapie

Um festzulegen, welche Therapie im Einzelfall sinnvoll wäre, wird ein so genanntes Risikoprofil erstellt. Hier unterscheidet man zwischen einem krankheitsbezogenen und einem patientenbezogenen Risikoprofil. Das krankheitsbezogene Risiko hängt im Wesentlichen davon ab, um welchen Typ von MDS es sich handelt. Es bezieht sich auf die Wahrscheinlichkeit, dass die MDS-Erkrankung in eine akute myeloische Leukämie (AML) übergeht. In das patientenbezogene Risikoprofil gehen z. B. die folgenden Aspekte ein:

  • Alter des Patienten,
  • der allgemeinen Gesundheitszustand und
  • die persönliche Einstellung des Patienten zur Therapie.

Anhand des Risikoprofils wird das Therapieziel bestimmt. Dieses kann beispielsweise vor allem eine hohe Lebensqualität sein oder die aggressive Bekämpfung der Erkrankung. [5] Nachfolgend sollen einige Therapieoptionen vorgestellt werden.

Stammzelltransplantation

Die Stammzelltransplantation stellt derzeit die einzige Chance auf eine langfristige Heilung dar. Aufgrund der erheblichen Risiken, die diese Therapieform mit sich bringt, ist sie leider nicht für alle Patienten geeignet. Sie wird vorrangig bei Hochrisiko-MDS eingesetzt.

Kann ein geeigneter Spender gefunden werden, werden vor der Transplantation je nach Verfahren ein Großteil oder alle Knochenmarkzellen des Patienten durch eine Chemotherapie zerstört. Um eine Abstoßung der gesunden Stammzellen des Spenders zu vermeiden, wird das Immunsystem des Patienten vor und manchmal auch nach der Transplantation unterdrückt. Nach erfolgter Transplantation sollen sich die gesunden Stammzellen im Knochenmark ansiedeln und dort gesunde Blutzellen produzieren.

Intensive Chemotherapie

Bei Patienten mit hohem oder mittlerem Risiko kann eine intensive, hochdosierte Chemotherapie (Induktionschemotherapie) angebracht sein. Ziel dieser aggressiven Therapie ist es, die entarteten Zellen abzutöten, um so die Erkrankung unter Kontrolle zu bringen.

Die Chemotherapeutika wirken auf alle Zellen, auch auf gesunde. Sie greifen jedoch vorrangig entartete und somit schnell wachsende Zellen im Knochenmark und Blut an.

Zytokintherapie (Wachstumsfaktoren)

Zytokine sind Botenstoffe, die vom Körper produziert werden und die Blutbildung und das Immunsystem steuern. Für die Zytokintherapie werden diese Stoffe künstlich hergestellt und eingesetzt, um als Wachstumsfaktoren die Bildung von Blutzellen im Knochenmark zu stimulieren. Der Wachstumsfaktor Erythropoetin (EPO) beispielsweise stimuliert gezielt die Bildung roter Blutkörperchen, während andere Wachstumsfaktoren auf weiße Blutkörperchen (z. B. der sogenannte Granulozytenkolonie stimulierende Faktor, G-CSF) oder Blutplättchen spezialisiert sind. [3]

Neben diesen Behandlungsformen, die darauf abzielen, die MDS-Erkrankung selbst zu bekämpfen, gibt es auch unterstützende (supportive) Therapien, die vorrangig eine Linderung der Symptome und eine Verbesserung der Lebensqualität erreichen sollen. Nachfolgend werden einige supportive Therapieformen vorgestellt.

Transfusionstherapie

Eine ausgeprägte Blutarmut (Anämie), wie sie oft im Rahmen einer MDS-Erkrankung auftritt, wird standardmäßig mit Transfusionen roter Blutkörperchen (Erythrozyten) behandelt. Dadurch werden die Symptome der Anämie abgemildert, zu denen starke Müdigkeit, Kurzatmigkeit und Schwäche gehören. Zwei Drittel der MDS-Patienten benötigen regelmäßig Transfusionen.

Hintergrundinfo

Der Körper kann Eisen nicht aktiv ausscheiden. Bei dauerhaft überhöhter Zufuhr lagert es sich deshalb in den Organen ab.

Mit jeder Bluttransfusion wird dem Körper auch das darin enthaltenen Eisen zugeführt, was auf Dauer zu einer Eisenüberladung führen kann. In diesem Fall kann es notwendig werden, das überschüssige Eisen durch eine Therapie, z. B mit Eisenchelatoren, aus dem Körper zu entfernen. Mehr zum Thema Eisenüberladung können Sie in diesem Artikel nachlesen: Bluttransfusionen bei MDS.

Transfusionen von Blutplättchen (Thrombozyten) sind nur dann erforderlich, wenn deren Anzahl extrem niedrig ist (< 10.000 pro Mikroliter Blut) und es dadurch zu Blutgerinnungsstörungen kommt. [1]

Antibiotika-Therapie

Einige MDS-Patienten haben zu wenig weiße Blutkörperchen (Leukozytopenie) und daher ein erhöhtes Infektionsrisiko. Um das Risiko zu senken oder bestehende Infektionen zu behandeln, werden regelmäßig Antibiotika eingesetzt. Bei älteren Patienten ist gegebenenfalls vorbeugend eine Impfung gegen Pneumokokken (Erreger z. B. der Lungenentzündung) oder Grippeviren sinnvoll. [2]

Ausblick

Derzeit werden zahlreiche neue medikamentöse Behandlungen, wie z. B. so genannte immunmodulatorische und antiangiogenetische Therapien, in Studien geprüft. [2]

Quellen:

  1. MDS-Foundation: Myelodysplastische Syndrome verstehen: Ein Handbuch für Patienten, 6. Aufl. 2009.
  2. Germing U, Haas R: Myelodysplastische Syndrome – Bilanz des aktuellen Wissens, Düsseldorf University Press, 2009.
  3. Germing U, Gattermann N: MDS myelodysplastische Syndrome – Information für Patienten und Angehörige, Chugai Pharma, 5. Aufl. März 2009.
  4. Greenberg PL: Current therapeutic approaches for patients with myelodysplastic syndromes. Br J Haematol. 2010 Jul;150(2):131–43. Epub 2010 May 5.
  5. Lübbert: MDS und akute myeloische Leukämie: Ein biologisches und therapeutisches Kontinuum, Unimed Science Verlag, 1. Auflage, 2007.
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