Ein Service der Novartis Pharma GmbH.
Login für Fachkreise

Bei Kindern Eisenüberladung frühzeitig und konsequent behandeln

Nicht nur Erwachsene, auch Kinder können an Eisenüberladung leiden. Wird diese nicht frühzeitig behandelt, kann es unter Umständen zu Organschäden kommen. Eltern sollten daher aufmerksam sein.

Eisenüberladung bei Kindern Bei gesunden Menschen gleichen sich die Zufuhr und der natürliche Verlust von Eisen normalerweise aus; der Eisengehalt ist also relativ konstant. Wenn aber dem Organismus durch regelmäßige Bluttransfusionen zu viel Eisen zugeführt wird, lagert sich dies in verschiedenen inneren Organen ab, da der Körper für überschüssiges Eisen keinen Ausscheidungsmechanismus besitzt. Es kommt zu einer so genannten sekundären Eisenüberladung. [1]

Zu viel Eisen im Körper kann Organschäden zur Folge haben. Hierzu gehören unter anderem Funktionsstörungen von Herz, Leber, Bauchspeicheldrüse, Schilddrüse, Nebenschilddrüse und Hirnanhangsdrüse. Dies wiederum kann z. B. zu Herzschwäche, Leberschäden, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) sowie Wachstumsverminderung und verzögerter Pubertät führen. [2]

Hauptursache der Eisenüberladung bei Kindern: Bluttransfusionen

Bluttransfusionen sind die häufigste Ursache einer Eisenüberladung bei Kindern, ähnlich wie bei Erwachsenen. Blutübertragungen können aus verschiedenen Gründen notwendig sein: [3]

  • Bildungsstörungen des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin): Diese können z. B. infolge einer Thalassämia major auftreten und zu einer Form von Blutarmut (Anämie) führen, die sich nur durch regelmäßige Bluttransfusionen beheben lässt. [3]
  • Chemotherapien: Diese werden z. B. zur Behandlung von Krebserkrankungen oder zur Vorbereitung einer Stammzelltransplantation eingesetzt. Chemotherapien wirken vor allem gegen sich schnell teilende Zellen, zu denen auch die blutbildenden Zellen zählen. Daher unterdrücken diese Behandlungen die normale Blutbildung im Knochenmark und können so wiederholte Blutübertragungen erforderlich machen. [3]
  • Aplastische Anämien: Diese sind durch schwere Störungen bei der Bildung von Blutzellen gekennzeichnet. Auch hier können wiederholte Bluttransfusionen notwendig sein. [3]

Bluttransfusionen nach Verletzungen oder Operationen mit erheblichem Blutverlust bedeuten hingegen kein Risiko für eine Eisenüberladung. Mit den Blutkonserven erhält der Organismus nur diejenige Menge an Eisen zugeführt, die zuvor durch die Blutung verloren gegangen ist. Es entsteht also kein Eisenüberschuss, der eine Einlagerung des Eisens im Körper zur Folge hat. [3]

Wann besteht bei Kindern die Gefahr einer Eisenüberladung?

Menschen nehmen pro Tag etwa 1–2 mg Eisen mit der Nahrung über den Dünndarm auf und verlieren dieselbe Menge wieder über die Abgabe von Schweiß und abgestorbenen Körperzellen. Die Menge an Eisen im Körper ist also normalerweise in einem Gleichgewicht.

Jede Blutkonserve enthält im Vergleich dazu etwa 200–250 mg Eisen, also ein Vielfaches dessen, was der Körper an Eisen pro Tag braucht. [4]

Da der Körper überschüssiges Eisen nicht aktiv über den Darm oder die Niere ausscheiden kann, kann es bei Patienten mit behandlungsbedürftiger Blutarmut, z. B. bei Thalassämie, nach mehrmaligen Bluttransfusionen zu einer Eisenüberladung kommen. [5] Bei erwachsenen Patienten ist nach der Übertragung von mehr als 20 Erythrozytenkonzentraten ein deutlicher Eisenüberschuss im Körper vorhanden. [5] Bei Kindern tritt manchmal bereits nach 10 Blutübertragungen, auf jeden Fall aber ab 20 Bluttransfusionen eine Eisenüberladung auf. [3,6]

Wie wird eine Eisenüberladung bei Kindern festgestellt, wie wird sie behandelt?

Der erste Schritt zur Diagnose „Eisenüberladung“ ist eine Untersuchung des Blutes. Finden sich hierbei Hinweise auf eine Eisenüberladung, wird die Eisenmenge im Körper bestimmt. Hierzu wird der Gehalt an Eisen in der Leber oder ab dem 10. Lebensjahr auch in Herzmuskelzellen gemessen. [3,6]

Eine Eisenüberladung bei Kindern muss behandelt werden, um schwerwiegende Organschäden zu vermeiden. Hierfür kommt insbesondere die sogenannte Eisenchelat-Therapie infrage. [7| Auch eine mehrmalige Blutentnahme (Aderlass) kann eine Behandlungsmöglichkeit sein. Da sie die den Körper jedoch belastet, wird sie nur noch selten angewendet. Beide Therapien sorgen dafür, dass der Eisengehalt im Körper nicht weiter ansteigt oder sogar sinkt.

Notieren Sie jede Bluttransfusion

Wiederholte Bluttransfusionen können bei Ihrem Kind zu einer Eisenüberladung führen, die schwerwiegende Folgen haben kann. Diese lassen sich vermeiden, wenn durch eine entsprechende Behandlung frühzeitig entgegenwirkt wird. Da zu viel Eisen im Blut aber keine Schmerzen oder für Laien erkennbare Symptome verursacht, kann eine Eisenüberladung leicht übersehen werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn Kinder eine Chemotherapie mit Bluttransfusionen erhalten und die unmittelbar lebensbedrohliche Krebserkrankung zunächst im Vordergrund steht. [3,8]

Führen Sie daher Buch über die Anzahl der Bluttransfusionen Ihres Kindes. Dies kann z. B. in Form eines Transfusionsausweises geschehen, in dem Sie jede Blutübertragung vermerken lassen. So haben Sie und auch die behandelnden Ärzte sofort einen Überblick, wie viele Transfusionen Ihr Kind insgesamt erhalten hat. [3,8]

Autor: Stefan Oetzel
Aktualisierung: Dr. Ruth Wissler

Quellen:

  1. Eisenstoffwechselstörungen bei Kindern und Jugendlichen mit angeborenen Anämien. http://www.kinderblutkrankheiten.de/content/erkrankungen/rote_blutzellen/sekundaere_eisenueberladung/ursachen/eisenstoffwechselstoerungen_bei_angeborenen_anaemien/index_ger.html (zuletzt besucht am 20.02.2017).
  2. Symptome: Welche Krankheitszeichen treten bei Patienten mit sekundärer Eisenüberladung auf? http://www.kinderblutkrankheiten.de/content/erkrankungen/rote_blutzellen/sekundaere_eisenueberladung/symptome/index_ger.html (zuletzt besucht am 20.02.2017).
  3. Interview mit Frau Regine Grosse vom 10. September 2008. Eisenüberladung im Kindesalter: Leben-mit-Transfusionen sprach mit Frau Regine Grosse, Kinderärztin in der Kinder hämatologischen Ambulanz des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), über den aktuellen Kenntnisstand zur Eisenüberladung im Kindesalter.
  4. Eisen spielt eine wichtige Rolle bei der Ernährung, http://www.lifeline.de/themenspecials/transfusionen/lebenselixier-eisen/Eisen-Ernaehrung-id34022.html (zuletzt besucht am 20.02.2017).
  5. Thalassämie: zu viel Eisen durch defekten Blutfarbstoff, http://www.lifeline.de/themenspecials/transfusionen/ursachen/Thalassaemie-id34024.html (zuletzt besucht am 20.02.2017).
  6. Erfassung der Eisenlast, http://www.kinderkrebsinfo.de/kinderblutkrankheiten/content/erkrankungen/rote_blutzellen/sekundaere_eisenueberladung/diagnostik/erfassung_der_eisenlast/index_ger.html (zuletzt besucht am 20.02.2017).
  7. Eisenbindende Medikamente (Chelatbildner, Chelatoren), http://www.kinderkrebsinfo.de/kinderblutkrankheiten/content/erkrankungen/rote_blutzellen/sekundaere_eisenueberladung/therapie/medikamentoese_therapie/eisenbindende_medikamente/index_ger.html (zuletzt besucht am 20.02.2017).
  8. Eisenüberladung im Kindesalter: Jede Blutkonserve zählt- Eltern sollten den Überblick behalten. http://www.lifeline.de/themenspecials/transfusionen/kind/Eisen-Kindesalter-Bluttransfusion-id20760.html (zuletzt besucht am 20.02.2017).
Diese Seite teilen:

Medizinischer Infoservice

 

Bei medizinischen Fragen, Nebenwirkungsmeldungen oder Reklamationen zu unseren Produkten kontaktieren Sie bitte den Novartis Pharma Infoservice.

 

Telefon: 0911 273 12100 / Fax: 0911 273 12160

 

Der medizinische Infoservice ist montags bis freitags von 8:00 bis 18:00 Uhr erreichbar.