eisenueberladung

EISENÜBERLADUNG – WIE ERFOLGT DIE DIAGNOSE?

Eine Einschätzung des Eisenbestands im Körper lässt sich am einfachsten durch Blutuntersuchungen ermöglichen. Folgende Laborwerte im Blut werden hierzu bestimmt1,2:

  • Serumferritin
  • Transferrinsättigung

Die Normwerte für Serumferritin liegen beim gesunden Erwachsenen bei 60-180 µg/L, bei Patienten mit Eisenüberladung können jedoch Werte von über 1.000 µg/L erreicht werden. Serumferritin kann allerdings nur eingeschränkt zur Diagnostik einer Eisenüberladung herangezogen werden. Denn Serumferritin ist ein Akut-Phase-Protein, das auch bei vielen anderen Erkrankungen, wie z.B. Infektionen oder Entzündungen, verändert sein kann. Bei regelmäßiger Bestimmung kann das Serumferritin jedoch zur Beurteilung der Wirksamkeit einer Therapie mit Eisenchelatoren dienen.

Die Transferrinsättigung gibt an, zu wie viel Prozent die Gesamteisenbindungskapazität mit Eisen gesättigt ist. Die Normwerte liegen hier bei 15-45 %. Bei Eisenüberladung kann dieser Wert bis auf 100 % ansteigen3.

DER FERRITINWERT – NICHT ALLEIN MASSGEBEND

Bei einer Eisenüberladung infolge von Bluttransfusionen ist derzeit der Ferritinwert im Blut maßgebend für die Therapieeinstellung. Er wird in regelmäßigen Abständen bestimmt. Die Behandlung mit Eisenchelatoren wird entsprechend einem bestimmten Zielwert eingestellt.

Um die Gefahr von Schäden an Organen abschätzen und eine optimale Behandlung einleiten zu können, ist es wichtig, die im Körper abgelagerte Eisenmenge möglichst genau zu kennen. Legt ein erhöhter Ferritinwert im Blut den Verdacht auf eine Eisenüberladung nahe, können verschiedene Untersuchungsverfahren weiterführende Informationen liefern.

LEBERMESSUNG ALLEIN GENÜGT NICHT

Das typischerweise von einer transfusionsbedingten Eisenüberladung betroffene Organ ist die Leber, dort befinden sich auch 70–90 % des abgelagerten Eisens.

Von besonders großer Bedeutung für den Patienten ist jedoch die Eisenablagerung im Herzmuskel. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Eisenablagerung in der Leber nicht mit der Eisenablagerung im Herzen korreliert, die alleinige Messung des Lebereisens also keinen Rückschluss auf den Eisengehalt der übrigen Organe zulässt.

eisenueberladung-diagnostik

BILDGEBENDE VERFAHREN ZUR MESSUNG DES KÖRPEREISENS

Eine Eisenüberladung kann langfristig zu schweren Organschäden führen. Der Ferritinwert gibt Hinweise auf die Eisenlast des Körpers. Blutuntersuchungen können wertvolle Informationen über den Eisenstoffwechsel liefern. Bei einer Eisenüberladung können sie  jedoch nur indirekte Hinweise auf die Menge an Eisen geben, die sich bereits in den Körperorganen wie  z.B. Leber, Herz, Bauchspeichel- oder Schilddrüse abgelagert hat. Wie stark einzelne Organe tatsächlich betroffen sind, können bildgebende Verfahren zeigen4.

Während früher auch direkte, invasive Verfahren wie die Entnahme von Lebergewebe (Biopsie) zur Bestimmung des Eisengehalts im Körper herangezogen wurden, wird der Eisengehalt heute ganz überwiegend mit Methoden gemessen, die mit Magnetfeldern arbeiten. Bei der Magnetresonanztomographie (MRT) werden – stark vereinfacht gesagt – Atomkerne im Körperinneren durch ein starkes Magnetfeld zu Schwingungen angeregt. Diese sind von Gewebe zu Gewebe verschieden. Sie können gemessen und von einem Computer zu einem dreidimensionalen Bild zusammengesetzt und ausgewertet werden.

Die Eisenmessung mit bildgebenden Verfahren bietet für Patienten mit Eisenüberladung eine gute Möglichkeit, Informationen über die tatsächliche Belastung einzelner Organe zu bekommen, bevor Symptome auftreten. Der Arzt kann anhand der gewonnenen Erkenntnisse die Therapie mit Eisenchelatoren entsprechend anpassen. Weder der im Blut gemessene Ferritinwert noch eine alleinige Lebereisenmessung erlauben Rückschlüsse auf Eisenablagerungen in anderen Organen. Da sich, wie oben bereits gesagt, bis zu 90 % des Eisens in der Leber ablagern und die Eisenbelastung des Herzens besonders wichtig ist, wird derzeit die Untersuchung von Leber und Herz empfohlen4.

QUELLEN:

  1. Gattermann, N: Therapie der sekundären Hämochromatose. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(30): 499–504.
  2. AWMF-Leitlinien zur Therapie und Diagnostik der sekundären Eisenüberladung 6/2015, http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/025-029 l_S2k_sekund%C3%A4re_Eisen%C3%BCberladung_bei_angeborenen_An%C3%A4mien_2015-07.pdf (zuletzt besucht am 15.05.2019)
  3. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 261. Auflage, de Gruyter, 2007.
  4. Schönnagel BP et al. Eisenquantifizierung mittels MRT bei Eisenüberladung, Fortschr Röntgenstr 2013; 185: 621–27