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Bericht über den Patiententag „Leben mit Eisenüberladung“ vom 31.10.09

12.11.2009

Auf dem Patiententag am 31.10.2009 in Köln informierten Ärzte und ein Patient über ein „Leben mit Eisenüberladung“. Ca. 100 Besucher diskutierten angeregt und stellten viele Fragen. Die Vorträge sind hier für Sie kurz zusammengefasst.

Patiententag KölnGroßen Anklang fand der erste Kölner Patiententag „Leben mit Eisenüberladung" am Samstag, 31. Oktober. Patienten, Ärzte und Selbsthilfegruppen konnten sich über das Thema Eisenüberladung informieren und austauschen. Etwa 100 Besucher waren in das Forum der Kölner Universitätsklinik gekommen, um Neues zum Thema aus Forschung und Praxis zu erfahren. Neben Fachvorträgen namhafter Ärzte gab es auch einen Vortrag aus der Sicht eines Betroffenen.

Neben diesem Bericht finden Sie auf dieser Webseite ein Interview mit Priv.-Doz. Dr. Karl-Anton Kreuzer zur Veranstaltung, sowie demnächst auch mit Dr. Eva Heuser und einem Betroffenen.
Veranstalter des Patiententags waren die Leukämie- und Lymphomhilfe Nordrhein-Westfalen, die Unikliniken Köln sowie Novartis Oncology. Prof. Dr. Michael Hallek und Priv.-Doz. Dr. Karl-Anton Kreuzer, beide von der Uniklinik Köln, eröffneten die Veranstaltung.

 

Wozu braucht der Mensch Eisen?

Dr. Marie von Lilienfeld-Toal vom Universitätsklinikum Bonn betonte in ihrem Vortrag, dass wir ohne Eisen nicht leben können: das Metall ist im roten Blutfarbstoff gebunden und transportiert Sauerstoff zu den Zellen. Fehlt dem Körper Eisen, so kann das Knochenmark nicht mehr ausreichend rote Blutkörperchen bilden. Es kommt zur Blutarmut (Anämie) mit Blässe, Schwäche, erhöhtem Herzschlag und Atemnot.

Es gibt bestimmte Eiweiße, welche Eisen im Blut binden (Transferrin) oder im Gewebe einlagern (Ferritin). Fehlt dem Körper Eisen, wird es aus den Speichern freigesetzt. Der Mensch nimmt Eisen meist über die Nahrung zu sich. Der tägliche Bedarf liegt bei etwa ein bis zwei Milligramm. Das entspricht der Menge, die er durchschnittlich durch Blutungen oder den Verlust von Haut- und Darmzellen verliert. Meist stimmt die Bilanz, doch wenn über länger Zeit große Mengen an Eisen aufgenommen werden kommt es zur Eisenüberladung: „Es gibt keine natürlichen Mechanismen, um überschüssiges Eisen auszuscheiden", sagte Lilienfeld-Toal.

 

Können Eisenstoffwechselstörungen angeboren sein?

Privatdozent Dr. Andreas Erhardt vom Universitätsklinikum Düsseldorf verwies auf die Evolution des Menschen: Selten stand Fleisch auf dem Speiseplan, oft war die Nahrung knapp. Wer effektiv Eisen aus der Nahrung verwerten und speichern konnte, war im Vorteil. So konnten sich auch solche Gene durchsetzen, die bewirken, dass vermehrt Eisen über den Darm aufgenommen wird. Was zu Notzeiten günstig war, kann in heutiger Zeit zur Eisenspeicherkrankheit (Hereditäre Hämochromatose) und damit zur Eisenüberladung führen.

Die Ursachen einer Eisenüberladung können angeborene Erkrankungen wie die Hereditäre Hämatochromatose sein, die zu einer sogenannten primären Eisenüberladung führt. Von einer sekundären Eisenüberladung spricht man, wenn Eisen dem Körper in zu hohem Maße zugeführt wird. Dies ist meist bei Erkrankungen der Fall, deren Behandlung mehrfache Bluttransfusionen erfordert. Beispiele sind Thalassämien und myelodysplastische Syndrome.

 

Erworbene Eisenüberladung: Entstehung und Beschwerden

Patiententag Köln„Eine Eisenüberladung ist ein schleichender Prozess", sagte Dr. Karl-Anton Kreuzer, Privatdozent am Klinikum der Universität Köln. Meist werden etwa 35 Transfusionsbeutel mit Blutkonserven verabreicht, bevor die Symptome einer Eisenüberladung auftreten. Das entspricht etwa 15 Gramm reinem Eisen.

Sobald ein bestimmter Eisen-Wert überschritten ist, kann es nicht mehr gebunden werden. Das freie Eisen schädigt Zellen, in dem es zur Bildung von freien Radikalen (ROS) führt. Bestimmte Gewebe sind besonders empfindlich und es kommt zu typischen Beschwerden. Eine Eisenüberladung kann dann unter anderem zu Diabetes, Gelenkschmerzen, Herzbeschwerden, Leberzirrhose, Hormonstörungen und Impotenz führen. Oft ist eine Eisenüberladung als starke Pigmentierung der Haut sichtbar.

 

Eisenüberladung bei Kindern

Für den Nachweis einer Eisenüberladung reicht eine einfache Blutuntersuchung nicht aus. „Die Bestimmung des Serumferritins lässt keine Aussage über die Stärke der Eisenüberlastung zu", sagt Dr. Rita Kiener, die als Ärztin an der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie des Universitätsklinikums Köln arbeitet. Eine Gewebeprobe aus der Leber (Biopsie) dagegen „ist vor allem für Kinder sehr belastend". Zum Nachweis einer Eisenüberladung sind Verfahren wie eine gewichtete MRT (Magnetresonanztomografie) empfehlenswert. Sie erfordern jedoch die entsprechende Erfahrung des Arztes. Bei Kindern seien regelmäßige körperliche Untersuchungen besonders wichtig, betonte Kiener, wozu auch Wachstumskurven und Knochendichtemessungen zählen.

 

Was kann man gegen eine Eisenüberladung unternehmen?

Dr. Marcel Reiser, Privatdozent an der Universität Köln, informierte über die Behandlung einer Eisenüberladung. Mit einer eisenarmen Diät sei meist wenig zu erreichen. Bei einer Hämochromatose hilft ein Aderlass, um überschüssiges Eisen auszuleiten. Eine Eisenüberladung lässt sich generell sehr effektiv mit so genannten Chelatoren behandeln. Diese wirken wie Krebsscheren, welche das freie Eisen in die Zange nehmen. Solche Eisen-Krebsscheren-Komplexe werden dann über die Nieren ausgeschieden.

 

Eisenüberladung aus Sicht eines Patienten

Auf das „große Ganze" kam ein Betroffener von der Interessengemeinschaft Sichelzellanämie und Thalassaemie Bonn in seinem Vortrag zu sprechen. Er ist an schwerer Thalassämie erkrankt und daher transfusionspflichtig. Neben der Grunderkrankung haben die Betroffenen auch mit beruflichen und privaten Problemen zu kämpfen, erklärte De Nittis. Er forderte die Ärzte dazu auf, auch diesen Lebensbereichen des Patienten mehr Beachtung zu schenken. „Es fehlt meistens die Kommunikation mit den Ärzten", so De Nittis. Kommunikation fördert die Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt, sodass der Patient motivierter ist, sich an die Eisenchelat-Therapie zu halten. Als Betroffener gilt es, die „Krankheit und das Leben zu akzeptieren."

Der erste Patiententag „Leben mit Eisenüberladung" in Köln war ein voller Erfolg. Angeregte Diskussionen und viele Fragen zeigten, wie viel Gesprächsbedarf zu diesem Thema besteht. Dr. Karl-Anton Kreuzer, einer der Initiatoren des Patiententags, betonte die Wichtigkeit, die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Patienten zu intensivieren. So ist der Patiententag eine „Initialzündung zur Verbesserung der Kontakte". Das Thema Eisenüberladung ist noch lange nicht erschöpft. „Wir müssen weiter über den Eisenstoffwechsel lernen", so Kreuzer. Auch mit der Besucherzahl waren die Veranstalter äußerst zufrieden. Damit darf auf eine Fortsetzung gehofft werden.

 

Quelle: Patiententag „Leben mit Eisenüberladung“
Stand: 11.11.09
Autor: Birgit Hertwig

Dies ist ein Service von Novartis Oncology
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