Wann ist ein Infektionsschutz bei MDS erforderlich?

07.01.2009

Bei Patienten mit myelodysplastischem Syndrom (MDS) kann die körpereigene Abwehr infolge der Erkrankung geschwächt sein. In diesen Fällen ist Vorsicht vor Infektionsquellen geboten.

Untersuchung MDS InfektionenDas myelodysplastische Syndrom (MDS) führt bei einem Teil der Patienten zum Rückgang der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Blut. Leukozyten sind ein zentraler Bestandteil des menschlichen Abwehrsystems (Immunsystem). Eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die Granulozyten, ist besonders wichtig für die Abwehr von Infektionen durch das Immunsystem. Fällt die Zahl der funktionsfähigen Granulozyten aufgrund eines MDS ab, besteht daher eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten (Würmer u.ä.). Im Allgemeinen gilt, dass die Anfälligkeit umso größer ist, je weniger weiße Blutzellen im Blut vorhanden sind.

Um Erkrankungen zu vermeiden, sollten Patienten mit verringerter Granulozyten-Zahl (Neutropenie) besondere Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. In schweren Fällen ist es unter Umständen erforderlich, vorbeugend Antibiotika oder gegen Viren bzw. Pilze gerichtete Medikamente einzunehmen. Im Einzelfall kann der behandelnde Arzt den Patienten Empfehlungen geben, welche Maßnahmen sie zur Infektionsvermeidung ergreifen sollten.

 

Infektionsquellen meiden

Infektionen können bei geschwächtem Immunsystem auf zwei verschiedenen Wegen entstehen:

1. Durch Ausbruch "schlummernder" Infektionen

Viele Menschen haben sich im Laufe ihres Lebens mit zahlreichen Krankheitserregern auseinandergesetzt. Dem Abwehrsystem gelingt es jedoch nicht immer, den Erreger vollständig aus dem Organismus zu entfernen. Manche Krankheitsverursacher, wie z.B. der Tuberkulose-Erreger, kapseln sich im Körper ein und überdauern dort, ohne eine aktive Erkrankung hervorzurufen. Lässt die Abwehrkraft des Immunsystems jedoch nach, brechen die Erreger unter Umständen aus und führen beim geschwächten Patienten zu einem akuten Ausbruch der Krankheit. Aus diesem Grund werden Menschen mit geschwächtem Immunsystem gründlich auf derartige ruhenden Infektionen untersucht. Findet der Arzt entsprechende Hinweise etwa in Blutuntersuchungen, wird versucht, den Organismus mit geeigneten Medikamenten zu schützen.


2. Durch Neuansteckung mit Krankheitserregern:

Praktisch jedes Objekt der Umwelt ist mit Mikroben besiedelt, die unter Umständen Krankheiten auslösen können. Besonders gefährlich für abwehrgeschwächte Personen sind andere Menschen (insbesondere, wenn diese selbst an Infektionen leiden), Tiere, Pflanzen, das Erdreich sowie Gegenstände, an denen sich naturgemäß viele Mikroben finden. Dazu gehören etwa die Toilette oder Abfälle, aber auch Nahrungsmittel und die Küche selbst. Besondere Gefahrenquellen stellen darüber hinaus auch Krankenhäuser und Arztpraxen dar, weil dort zahlreiche erkrankte Menschen zusammenkommen. Zusätzlich bringt die strenge Hygiene in diesen Einrichtungen in manchen Fällen besonders hartnäckige Krankheitserreger hervor, die nicht mehr auf die normale Behandlung z.B. mit Antibiotika ansprechen. Solche resistenten Keime können dann unter Umständen nur noch mit speziellen, für derartige Fälle reservierten Medikamenten behandelt werden (Reserveantibiotika) und erfordern zusätzliche hygienische Vorsichtsmaßnahmen.

 

Weitere Informationen zu MDS: Myelodysplastisches Syndrom (MDS) - ein Überblick

 

Quelle:

Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe e.V. (Hrsg.):
Ratgeber für Patienten nach allogener Knochenmark- und Stammzelltransplantation. Bonn 2008.

Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie: Aplastische Anämie. www.uni-duesseldorf.de

Informationen des Kompetenznetzes Leukämie zum myelodysplastischen Syndrom für Patienten und Angehörige

Autor: Jan Groh
Stand: 07.01.2009

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