Reisen mit chronischen Erkrankungen – auf gute Planung kommt es an

14.07.2009

Eine chronische Erkrankung und regelmäßige Medikamenteneinnahme müssen weder Geschäfts-, noch Urlaubsreisen im Weg stehen. Mit entsprechender Vorbereitung sind solche Vorhaben oft kein Problem.

ReisenFür alle, die von einer vorübergehenden oder dauerhaften Erkrankung betroffen sind, ist es empfehlenswert, frühzeitig vor Planung, Buchung oder Antritt einer Reise den behandelnden Arzt zu konsultieren. Dadurch können gesundheitliche, versicherungs-
technische und organisatorische Fragen rechtzeitig besprochen und Lösungen für eventuell bestehende Probleme gefunden werden.

Grundsätzlich sollte eine Reise nur bei stabilem Gesundheitszustand angetreten werden. Der Arzt wird sich Reisewünschen seiner Patienten nicht in den Weg stellen, wenn er diese aus medizinischer Sicht für erfüllbar hält. Umgekehrt bedeutet das: Patienten sollten Bedenken des Arztes ernst nehmen. Das hat nicht nur gesundheitliche Bedeutung, sondern betrifft unter Umständen auch die Übernahme von Kosten durch die Versicherung, falls es auf der Reise oder während des Urlaubs zu medizinischen Komplikationen kommt. Bestehen Bedenken, kann der Arzt eventuell helfen, eine gesundheitsverträglichere Reisealternative zu finden.

 

Auf die gute Planung kommt es an

Wer als Patient auf Reisen geht, sollte beachten, dass er unterwegs auf medizinische Hilfe angewiesen sein könnte. Neben der Betreuung durch qualifiziertes medizinisches Personal müssen dabei auch die Versorgung mit Arznei- und Hilfsmitteln sowie die hygienischen Verhältnisse und möglicherweise bestehende Sprachprobleme berücksichtigt werden.

 

Geeignete Behandlungseinrichtungen vorher finden

Soweit erforderlich sollte daher bereits im Vorfeld der Reise geklärt werden, wo sich geeignete Behandlungsmöglichkeiten finden, wie diese ausgestattet sind und welche Medikamente am Reiseziel erhältlich sind. Krankenkassen, Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen, die Botschaften der Reiseländer in Deutschland bzw. die jeweilige deutsche Botschaft im Zielland oder Reiseführer können hier weiterhelfen.

 

Medikamente: Worauf ist zu achten?

Selbst wenn mancher Patient es sich wünschen mag, auch eine medikamentöse Behandlung darf während des Urlaubs nicht unterbrochen werden. Bevor Sie in Urlaub oder auf Reisen gehen, fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker und berechnen Sie vor Reiseantritt Ihren Bedarf an Medikamenten, falls die Versorgung am Reiseziel nicht garantiert werden kann. Klären Sie vor Reiseantritt, ob und wie viel Medikamente Sie im Reisegepäck mit sich führen dürfen. Fragen Sie gegebenenfalls Ihren Arzt, ob er Ihnen eine entsprechende Bescheinigung für die Zollkontrolle ausstellt.

Die Arzneimittel sollten nach Möglichkeit im Handgepäck mitgeführt werden. Dort gehen sie weniger leicht verloren. Bei Flugreisen ist zudem zu beachten, dass einige Medikamente die kalten Temperaturen im Gepäckraum nicht vertragen und eventuell nicht geröntgt werden dürfen.

Auch der Transfusionspass sollte mitgeführt werden.

 

Versicherung und Kostenübernahme

Gesetzlich Versicherte genießen in Ländern, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen geschlossen hat (dazu gehören die EU-Mitgliedsstaaten sowie einige weitere Länder), normalerweise den gleichen Versicherungsschutz wie in Deutschland. Klären Sie aber vor Reiseantritt, ob und zu welchem Teil Ihr Krankenversicherungsschutz auch in Ihrem Zielland oder dem Durchreiseland gültig ist. Fragen Sie nach, ob Sie eine spezielle Bescheinigung Ihrer Krankenkasse oder eine Zusatzversicherung benötigen.

Privatversicherte genießen oft einen umfangreicheren Auslandsversicherungsschutz als gesetzlich Versicherte. Genauere Auskünfte erteilt das jeweilige Versicherungsunternehmen. Bei Reise-Krankenversicherungen ist zu klären, ob die jeweilige Versicherung auch Erkrankungen umfasst, die bereits vor Reiseantritt bestanden haben oder bekannt waren. Eine Reiserücktrittskostenversicherung ist empfehlenswert.

 

Auf dem Weg zum Reiseziel

Da Medikamente auch unterwegs weiter regelmäßig eingenommen werden müssen, kann es insbesondere bei Fernreisen in andere Zeitzonen zu Problemen mit den Einnahmezeiten kommen. Vor Reiseantritt sollte deshalb mit dem Arzt geklärt werden, wie mit der Zeitverschiebung umzugehen ist.

Reisen ist anstrengend und kann eine gesundheitliche Belastung darstellen. Ein besonders wichtiger Punkt für viele Patienten mit hämatologischen Erkrankungen ist es, einer Thrombose vorzubeugen. Sie droht vor allem bei langen Reisen im Sitzen, ohne die Möglichkeit aufzustehen, also besonders im Flugzeug, aber auch im Auto, wenn nicht genügend Pausen eingelegt werden. Im Zug sollte der vorhandene Platz genutzt werden, um von Zeit zu Zeit etwas herumzugehen oder Gymnastik zu machen. Betroffene sollten das Thema mit ihrem behandelnden Arzt besprechen. Zur Verhinderung von Thrombosen können unter anderem Bewegung, Medikamente oder Stützstrümpfe eingesetzt werden.

Quellen: Nach Informationen von:
Interview mit Dr. Regine Grosse, September 2008
Sozialgesetzbuch V,
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM),
Hamburger Tropeninstitut, Reiseinformationen, März 2009

Stand: 20.05.09
Autor: Jan Groh, aktualisiert durch Spirit Link (14.07.09)

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