Bluttransfusionen retten jedes Jahr zahllose Leben. Risiken der Behandlung wird durch Vorbeugung und Sicherheitsmaßnahmen begegnet.
Für viele Patienten ist die Übertragung von Blut (Bluttransfusion) oder Blutbestandteilen lebensrettende Routine. Doch sie ist auch mit einigen Risiken verbunden. Diese können jedoch durch sorgfältige Herstellung der Blutprodukte, Sicherheitskontrollen und eine angepasste Nachbehandlung weitgehend ausgeschlossen werden.
Blut weist eine Reihe von Eigenschaften auf, die sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Diese Eigenschaften werden in einer Vielzahl von Blutgruppensystemen zusammengefasst, aus denen sich ableiten lässt, welcher Blutspender für einen Patienten geeignet ist. Die wichtigsten sind das sogenannte AB0-System mit den Blutgruppen A, B, AB und 0 sowie das Rhesus-System mit den Merkmalen Rh-positiv und Rh-negativ. Es gibt darüber hinaus jedoch eine große Zahl weiterer Systeme, die je nach übertragener Blutkomponente herangezogen werden.
Passen die Bluteigenschaften von Blutspender und Empfänger nicht zusammen, kann es zu schwersten Unverträglichkeitsreaktionen bei der Behandlung kommen. Das transfundierte Blut wird vom Körper des Empfängers als fremd erkannt und attackiert. Schwere Kreislauf- und Durchblutungsstörungen können die Folge sein. Es besteht akute Lebensgefahr für den Patienten.
Ursache solcher Transfusionszwischenfälle kann eine falsche Zuordnung von Spender und Empfänger sein. Möglich ist auch, dass sich Bestandteile des Abwehrsystems des Blutspenders gegen den Empfänger richten oder dass es zu Verunreinigungen der Blutkonserve, etwa mit Bakterien, gekommen ist.
Eine Vielzahl von Voruntersuchungen und Kontrollmaßnahmen schließt schwere Transfusionszwischenfälle heutzutage weitestgehend aus. Aufgrund dieser Vorsichtsmaßnahmen beträgt das Risiko von Unverträglichkeiten aufgrund einer fehlerhaften Blutgruppenzuordnung heute weniger als eins zu einer Million
Bei der Behandlung mit Blut oder Blutbestandteilen können prinzipiell Infektionserkrankungen vom Spender auf den Empfänger übertragen werden. Um das zu verhindern, dürfen grundsätzlich nur gesunde Menschen Blut spenden. Nicht sofort ersichtliche Infektionen mit Erregern wie HIV und Hepatitis-B- oder -C-Viren werden darüber hinaus durch eine Vielzahl von Testuntersuchungen ausgeschlossen. Das Risiko, durch eine Blutübertragung mit HIV infiziert zu werden, ist heutzutage beispielsweise kleiner als eins zu vier Millionen.
Lange Zeit war unklar, ob ein Blutspender, der an einem noch nicht erkannten Krebs leidet, die Krankheit mit seinem Blut an den Empfänger der Blutkonserve weitergibt. Eine sehr umfangreiche Untersuchung erbrachte im Jahr 2007 jedoch den eindeutigen Nachweis, dass Krebserkrankungen durch Bluttransfusionen nicht übertragen werden. Empfänger von Blutprodukten haben also kein erhöhtes Krebsrisiko, selbst wenn sie Blut von einem Spender erhalten haben, der zum Zeitpunkt der Spende unbekannterweise an Krebs litt.
Eisen ist ein entscheidender Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, der den Sauerstofftransport durch die roten Blutzellen (Erythrozyten) gewährleistet. Bei jeder Transfusion eines Erythrozyten-Konzentrats werden dem Körper des Empfängers aus diesem Grund zwischen 200 und 250 mg Eisen zugeführt. Der Körper kann Eisen jedoch nur in begrenztem Maße speichern und auf natürlichem Weg nicht ausscheiden. Bereits 20 bis 30 Blutübertragungen können deshalb das Speichervermögen des Organismus ausschöpfen. Es droht eine Vergiftung mit Eisen (Eisentoxizität), die zu schweren Schäden am Organismus führt.
Patienten, die wiederholt Bluttransfusionen erhalten (polytransfundierte Patienten), sind deshalb bereits nach wenigen Behandlungen durch eine Eisentoxizität bedroht und müssen vorbeugend behandelt werden. Dazu werden heute in der Regel sogenannte Eisenchelatoren verabreicht. Diese Medikamente ermöglichen es dem Körper, Eisen über die Galle bzw. die Niere auszuscheiden. Wer also über einen längeren Zeitraum oder dauerhaft auf Transfusionen angewiesen ist, der sollte konsequent eine Therapie mit Eisenchelatoren durchführen, um sich vor den Folgen einer Eisenüberladung zu schützen.