MDS und Thalassämie verursachen Blutarmut

01.10.2008

Regelmäßige Bluttransfusionen können die Lebensqualität von Patienten mit myelodysplastischen Syndromen (MDS) und Thalassämie entscheidend verbessern. Die Betroffenen leiden meist an ausgeprägter Anämie (Blutarmut), da ihr Knochenmark keine funktionstüchtigen Blutzellen herstellt.

BlutkdruckmessenUnter dem Begriff MDS wird eine ganze Gruppe von Erkrankungen zusammengefasst, bei denen die Blutbildung gestört ist. Krankhaft veränderte Knochenmarkszellen führen dabei zu einer Überschwemmung des Körpers mit unreifen und funktionslosen Blutzellen, die normale Blutproduktion findet nur noch sehr eingeschränkt statt. Bei der Thalassämie liegt hingegen eine genetische Störung vor, bei der die Bildung des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin) gestört ist. Als wichtiger Bestandteil der roten Blutzellen (Erythrozyten) sorgt Hämoglobin für den Transport von lebenswichtigem Sauerstoff. Beide Krankheiten führen im Verlauf zu einer Blutarmut, die das Leben der Betroffenen stark einschränken oder sogar unmöglich machen kann.

 

Bluttransfusionen lindern die Folgen des Sauerstoffmangels

Bei Anämie bzw. einem Mangel an funktionstüchtigen Erythrozyten wird weniger Sauerstoff in die Gewebe transportiert und es kommt zu einer Sauerstoffunterversorgung des Körpers. Dies macht sich meist durch verminderte Leistungsfähigkeit, Kurzatmigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Herzrasen bemerkbar. Viele MDS-Patienten leiden zum Zeitpunkt der Diagnose bereits an einer ausgeprägten Anämie. Mit einer Bluttransfusion lassen sich die Beschwerden lindern. Es werden hierfür sogenannte Erythrozyten-Konzentrate eingesetzt, die den Mangel an roten Blutzellen schnell ausgleichen. Der Effekt ist jedoch nicht von Dauer und da myelodysplastische Syndrome bis auf wenige Ausnahmen nicht heilbar sind, müssen die Bluttransfusionen meist in regelmäßigen Abständen und über lange Zeit wiederholt werden.

 

Wann wird mit der Transfusionsbehandlung begonnen?

Der Zeitpunkt für den Beginn einer Transfusionstherapie ist bei jedem Patienten sehr unterschiedlich. Faktoren wie Alter, Lebensumstände und Begleiterkrankungen spielen dabei eine große Rolle. Richtgrößen für den Arzt sind zunächst die Menge an funktionsfähigem Hämoglobin (Hb) im Blut und die individuellen Beschwerden. Der Hb-Wert kann durch eine einfache Blutuntersuchung bestimmt werden. Abhängig von den ermittelten Daten wird der Arzt zu einer Bluttransfusion raten oder eine spätere erneute Kontrolle empfehlen.

Gerade für Betroffene, die an einer wenig aggressiven Form des MDS leiden, kann die regelmäßige Bluttransfusion als Therapie bereits ausreichend sein. Mit dieser sogenannten supportiven Maßnahme lässt sich die Lebensqualität der Patienten meist auf ein für sie akzeptables Niveau heben. Bei der Thalassämie bestehen engere Kriterien, wenn es um die Transfusionsbedürftigkeit der oftmals noch sehr jungen Patienten geht. Damit sie sich möglichst normal entwickeln können, ist eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Körpers besonders wichtig. Bei ihnen wird mit einer Transfusionstherapie begonnen, wenn der Hb-Wert wiederholt auf unter 8g/dl absinkt. Als Transfusionsintervall wird in der Regel ein 3-wöchiger Abstand empfohlen. Damit soll ein Hb-Wert von 13-13,5g/dl erreicht werden.

 

Wiederholte Bluttransfusionen führen zu Eisenüberladung

So wichtig die Bluttransfusionen für die betroffenen Patienten sind, bergen sie doch gleichzeitig die Gefahr einer Eisenüberladung des Körpers. Denn mit jeder Blutkonserve erhalten die Patienten auch erhebliche Mengen an Eisen, das ein Bestandteil des Hämoglobins ist. Eisen kann vom Körper nicht aktiv ausgeschieden werden, reichert sich im Körper an und schädigt auf die Dauer die Zellen von Leber, Herz, Lunge und endokrinen Drüsen (z.B. Bauchspeicheldrüse, etc.). Bereits nach 20 bis 30 Bluttransfusionen kann es zu einer Überladung des Organismus mit Eisen kommen. Durch den Einsatz eisenbindender Medikamente, sogenannter Eisenchelatoren, lässt sich das überschüssige Eisen jedoch wieder aus dem Körper entfernen. Damit können Patienten von einer Bluttransfusionstherapie profitieren ohne den schädlichen Nebenwirkungen einer Eisenüberladung ausgeliefert zu sein.

 

Quelle: Nach Informationen von:

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie. Thalassämie (Januar 2006).

Novartis Pharma GmbH: Eisengleichgewicht. Eisen ? eine Sache des Gleichgewichts. Nürnberg.

Aul, C., Verbeek, W., Giagounidis A., Ganser A.: Kompetenznetz Leukämie. Myelodysplastische Syndrome. (27.03.2008)

Informationen der Deutschen Leukämie- und Lymphom-Hilfe e.V. (Hrsg.): Transfusionsbedingte Eisenüberladung bei Patienten mit myelodysplastischem Syndrom oder aplastischer Anämie. Ein Leitfaden für Patienten. (Dezember 2006)

Autor: Ulrike Lachmann
Stand: 01-10-2008


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