Lebensrettende Routine Bluttransfusion

01.10.2008

Regelmäßige Bluttransfusionen sind etwa bei Störungen der Blutbildung ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Sie versorgen den Körper mit funktionsfähigen roten Blutzellen und sichern so den Sauerstofftransport im Blut. Blutwertkontrollen und das Befinden der Patienten bestimmen die Behandlung.

Welche Faktoren bestimmen die Behandlung mit Bluttransfusion?

Infusion

Wann bzw. wie oft eine Bluttransfusion notwendig ist, unterscheidet sich von Krankheitsbild zu Krankheitsbild und von Patient zu Patient. Selbst bei der gleichen Person können weitere Umstände dazu führen, dass eine Blutkonserve abweichend von vorangehenden Behandlungen früher oder später verabreicht wird.

Richtgröße für den Arzt ist zunächst die Menge an funktionsfähigem rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin) im Blut. Diese kann durch eine einfache Blutuntersuchung bestimmt werden. Abhängig von den ermittelten Werten wird der Arzt zu einer Bluttransfusion raten oder eine spätere erneute Kontrolle empfehlen.

Ausschlaggebend dafür wird auch sein, welches Ziel die Transfusionsbehandlung hat. Bei Erwachsenen und Jugendlichen, die nicht mehr in der Wachstumsphase sind, werden Bluttransfusionen beispielsweise verabreicht, um die Sauerstoffversorgung der verschiedenen Gewebe des Körpers sicherzustellen. Dies trägt zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität bei.

Weiterhin wird der Arzt berücksichtigen, ob Begleiterkrankungen des Patienten vorliegen. Niedrige Konzentrationen an rotem Blutfarbstoff belasten z.B. das Herz. Liegen Herzerkrankungen vor, kann ein Transfusionsbedarf früher erreicht sein als bei einem Herz-Gesunden.

Eine weitere Einflussgröße ist, in welchem Umfang sich der Körper des Patienten bereits an erniedrigte Blutfarbstoffwerte angepasst hat. Der Organismus kann sich in gewissem Umfang und über einen längeren Zeitraum an eine schlechtere Sauerstoffversorgung anpassen.

Wesentlich wird die Entscheidung für eine Bluttransfusion aber vom Befinden der Patienten bestimmt. Maßstab sollte hierbei die Lebensqualität der Betroffenen sein. Es gilt also zwischen der Eisen-Belastung durch eine Transfusion und den Einschränkungen durch die Blutarmut abzuwägen. Hierbei ist es wichtig, dass sich Arzt und Patient über die Behandlungsstrategie verständigen und diese möglichst gemeinsam tragen.

 

Wie verläuft die Bluttransfusion?

Die Behandlung findet zumeist ambulant in einem hämatologischen Zentrum statt. Vor der Blutübertragung wird der Arzt den Patienten untersuchen und nach seinem Befinden und aktuellen Beschwerden befragen. Spricht nichts gegen eine Blutübertragung, wird sich der Patient hinlegen und der Arzt eine Kanüle als Zugang für die Transfusion in eine Vene legen.

Obwohl die Verträglichkeit der Blutkonserve bereits vom zuständigen Labor überprüft wurde, führt der Arzt unmittelbar vor der Übertragung einen weiteren Test durch, für den er etwas Blut des Patienten mit dem Blut aus der Blutkonserve auf Unverträglichkeiten prüft. Erst nach diesem Test schließt der Arzt die Blutkonserve an den Venenzugang an. Außerdem wird er einige Zeit überwachen, ob es zu Unverträglichkeiten kommt.

Die Blutübertragung sollte in der Regel nicht allzu rasch erfolgen. Je nach Verträglichkeit und Menge des übertragenen Bluts sollten Patienten deshalb einige Stunden für die Behandlung einplanen. Nach Abschluss der Behandlung müssen sie zudem noch mindestens 30 Minuten unter Beobachtung bleiben.

Um die Zeit zu füllen, kann man sich Lesestoff, Kreuzworträtsel oder eine andere Beschäftigung mitbringen, oder man versucht, während der Behandlung zu schlafen.

Beschwerden oder unter der Behandlung neu auftretende Symptome sollten dem medizinischen Personal sofort mitgeteilt werden. Insbesondere hinter Kurzatmigkeit, Kreislaufschwäche (Benommenheit, Schwarz-vor-Augen-Werden), Kopfschmerzen oder Hitzewallungen können sich Komplikationen verbergen, die ein rasches medizinisches Handeln eventuell auch über den Abbruch der Transfusion hinaus erforderlich machen können. Derartige Zwischenfälle sind jedoch die Ausnahme. In den allermeisten Fällen werden Blutübertragungen problemlos vertragen.

 

Gibt es ein Infektionsrisiko durch Blutübertragungen?

Ein gewisses Risiko, durch eine Bluttransfusion mit gefährlichen Krankheitserregern angesteckt zu werden, besteht. Durch stark verbesserte Kontrollen ist es aber spätestens seit Ende der 90er Jahre außerordentlich gering. Blutspenden werden sehr gründlich untersucht, bevor sie zur Behandlung freigegeben werde. Insbesondere werden sie auf HIV sowie auf Viren geprüft, die chronische Leberentzündungen wie Hepatitis B oder C hervorrufen. Die Wahrscheinlichkeit, sich durch eine Bluttransfusion mit HIV anzustecken, liegt aktuell bei deutlich weniger als eins zu einer Million.

 

Eisenüberladung als Folge von Bluttransfusionen

So wichtig die Bluttransfusionen für die betroffenen Patienten sind, bergen sie doch gleichzeitig die Gefahr der sogenannten Eisenüberladung des Körpers. Denn bei jeder Bluttransfusion werden dem Körper zwischen 200 mg und 250 mg Eisen zugeführt. Wird die natürliche Speicherfähigkeit des Körpers überschritten, lagert sich das Eisen in der Leber und anderen Organen ab und führt zur Schädigung des Organismus. Eine Überladung des Organismus kann bereits nach 20 bis 30 Bluttransfusionen auftreten.

 

Quelle: Novartis Pharma GmbH: Eisen - eine Sache des Gleichgewichts. Nürnberg.

Informationen des Kompetenznetzes Leukämie zum myelodysplastischen Syndrom für Patienten und Angehörige

www.eiseninfo.de, Hamburg

Leitfaden für Patienten: www.leukaemie-hilfe.de/Info/Literatur/Archiv/DLH_21_Eisen.pdf

Bekanntmachung des Arbeitskreises Blut des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung: Humanes Immunschwächevirus (HIV).

Stellungnahmen des Arbeitskreises Blut des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung: Therapie mit Erythrozytenkonzentraten bei chronischer Anämie. Hämotherapie Ausgabe 7, 2006

Autor: Jan Groh
Stand: 01-10-2008

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