Eisen ist zwar überlebenswichtig für den Körper, doch wie so häufig kommt es auf die richtige Menge an. Eine Eisenüberladung, die bei wiederholten Bluttransfusionen droht, kann gefährlich werden. Zu viel Eisen im Blut lässt sich jedoch zum Beispiel mit Eisenchelatoren behandeln.
Viele Patienten mit chronischer Blutarmut (Anämie) wie dem myelodysplastischen Syndrom (MDS) oder der Thalassämie müssen im Rahmen einer dauerhaften Erhaltungstherapie regelmäßig Bluttransfusionen erhalten. Da diese Transfusionen zwar zum einen sehr effektiv die zugrunde liegenden Erkrankungen behandeln, jedoch zum anderen mit den roten Blutkörperchen auch Eisen übertragen, beträgt die tägliche Eisenaufnahme bei den betroffenen Patienten etwa 20-40 mg und damit das 20-fache des normalen Wertes.
Darüber hinaus ist die Aufnahme des Eisens aus der Nahrung bei vielen Patienten als natürliche Reaktion auf ihre ineffektive Blutbildung zusätzlich erhöht. Da der Körper keine Möglichkeit hat, das Eisen aktiv wieder auszuscheiden, reichert es sich mit jeder Bluttransfusion an.
Bis zu einer bestimmten Menge ist Eisen für den Körper überlebenswichtig und ungiftig, da es an Transport- und Speicher-Moleküle gebunden ist, wie Hämoglobin, Transferrin und Ferritin. So beträgt die Menge an Eisen im Blut beim gesunden Menschen etwa 3 - 4 g. Ist allerdings die Aufnahme erhöht, kann das Eisen irgendwann nicht mehr vollständig gebunden werden. Die Folge: Es reichert sich das sehr reaktive und damit potentiell schädliche freie Eisen an, welches die Bildung von Sauerstoffradikalen begünstigt. Diese Radikale können wichtige Moleküle im Körper, Zellstrukturen und sogar die Erbsubstanz angreifen und schädigen.
Außerdem lagert sich das überschüssige Eisen unkontrolliert in Organen ab. Betroffen sind vor allem die Leber, der Herzmuskel und endokrine Organe (Drüsengewebe) wie Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und Schilddrüse. Daher drohen klinische Probleme wie Leberschäden bis hin zur Leberzirrhose, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Schilddrüsenunterfunktion, Wachstumsstörungen bei Kindern, Unfruchtbarkeit, Impotenz, Depressionen und weitere Störungen.
Zudem nimmt die Haut durch zu viel Eisen im Blut häufig einen Bronzefarbton an. Und die Patienten scheinen anfälliger für bestimmte Infektionen mit seltenen Erregern zu sein. Aufgrund dieser Folgen, vor allem der schweren Herzschwäche, kann die chronische Eisenüberladung ohne Behandlung, beispielsweise mit Eisenchelatoren, lebensbedrohlich werden.
Ab wann eine Eisenüberladung gefährlich wird, ist nicht leicht zu beantworten. Es gibt keinen festen Schwellenwert, dessen Überschreitung eine akute Gefährdung anzeigt. Hat ein Patient jedoch bereits 20-30 Bluttransfusionen erhalten und ist abzusehen, dass diese aufgrund der Erkrankung längerfristig notwendig bleiben, sollte eine Behandlung erwogen werden. Im Allgemeinen gilt eine Erhöhung der Serumferrtin-Werte über etwa 1.000 ng/ml als zu viel Eisen im Blut und wird als behandlungsbedürftig angesehen.