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Blutbildung – Normalzustand und krankhafte Veränderungen

05.10.2011

Das Blut erfüllt lebenswichtige Aufgaben im Körper. Seine Bildung erfolgt überwiegend im Knochenmark. Doch was geschieht da genau und was passiert, wenn die Blutbildung durch eine Krankheit gestört wird?

Je nach Größe und Gewicht zirkulieren im Körper eines erwachsenen Menschen zwischen vier und sieben Liter Blut. Es erfüllt eine Vielzahl wichtiger Aufgaben.
Blut

  • versorgt die Gewebe und Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen
  • transportiert Hormone und andere Botenstoffe an ihren Bestimmungsort
  • entsorgt Stoffwechsel- und Abfallprodukte
  • reguliert Körpertemperatur und pH-Wert
  • hält den Wasser- und Elektrolythaushalt aufrecht

Eine weitere wichtige Funktion des Blutes ist es, Abwehrzellen an den Ort einer Entzündung zu bringen oder eingedrungene Krankheiterreger zu eliminieren. All diese Aufgaben übernehmen verschiedene Bestandteile des Blutes.[2]

 

Blut besteht aus Zellen und Flüssigkeit

Das Blut setzt sich aus dem Blutplasma und festen Blutbestandteilen (Hämatokrit) zusammen. Blutplasma besteht zu 90–95 % aus Wasser. Den übrigen Teil machen gelöste Stoffe aus, unter anderem Bluteiweiße und Elektrolyte. Der Hämatokrit setzt sich aus den unterschiedlichen Blutzellen zusammen. Dies sind:

  • Rote Blutkörperchen (Erythrozyten): Sie sind für den Sauerstofftransport zuständig und enthalten den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) und darin gebundenes Eisen.
  • Weiße Blutkörperchen (Leukozyten): Diese sind ein Teil der Immunabwehr.
  • Blutplättchen (Thrombozyten): Sie sorgen für die Blutgerinnung.[1, 2]

 

Blutzellen entstehen im Knochenmark

Die Bildung von Blutzellen beginnt im Knochenmark, das zum Beispiel in den Beckenknochen, den Wirbelkörpern und den Schulterblättern vorkommt. Im Knochenmark befinden sich die Stammzellen. Aus ihnen gehen alle Blutzellarten hervor. Stammzellen können sich unbegrenzt vermehren und über mehrere Zwischenstufen (Vorläuferzellen) zu den verschiedenen Zelltypen entwickeln (siehe Abb. 1).

Die reifen Blutzellen werden aus dem Knochenmark ins Blut freigesetzt und übernehmen ihre Funktion im Körper. Weitere Orte der Blutbildung (Hämatopoese) sind die Thymusdrüse und die Milz (im Kindesalter) sowie das Lymphgewebe (wie Lymphknoten).[1, 2]

 

Blutbildung
Abb. 1
: Normale Blutbildung

 

Störungen der Blutbildung

Verschiedene Erkrankungen können zu einer Störung der Blutbildung führen. Hierzu gehören einige erblich bedingte Erkrankungen wie die z. B. die Sichelzellanämie oder Thalassämie oder Krebserkrankungen wie Leukämien oder Myelodysplastische Syndrome (MDS). Aber auch äußere Einflüsse wie Mangelerscheinungen (Eisenmangel, Vitaminmangel), Bestrahlungstherapie bei Krebserkrankungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente können die Blutbildung aus dem Gleichgewicht bringen.

 

Funktionsverlust der Blutzellen führt zu Beschwerden

Die genannten erblich bedingten Erkrankungen und Mangelerscheinungen können zu einer Blutarmut (Anämie) führen, also einem Mangel an roten Blutkörperchen. Bei Myelodysplastischen Syndromen kommt es z. B. zu einer fehlerhaften Bildung der Blutzellen und dazu, dass diese nur unvollständig ausreifen, bevor sie in die Blutbahn gelangen. Diese unreifen Blutzellen (Blasten) können ihre Funktion im Körper nur unzureichend erfüllen und verdrängen außerdem die Bildung gesunder Blutzellen im Knochenmark. Das kann zu schweren Infektionen, Blutarmut und Blutungsneigung führen.

Ein Mangel an roten Blutkörperchen führt z. B. zu einer Minderversorgung des Organismus mit Sauerstoff und äußert sich z. B. in Müdigkeit, Leistungsschwäche, Blässe und Konzentrationsschwierigkeiten. In manchen Fällen können Bluttransfusionen mit roten Blutkörperchen erforderlich werden. Mit den zugeführten roten Blutkörperchen wird auch das darin gebundene Eisen übertragen.[4]

Bei regelmäßigen Bluttransfusionen mit roten Blutkörperchen (Erythrozytenkonzentrate) besteht die Gefahr einer Eisenüberladung. Diese kann ab 20 Erythrozytenkonzentraten (EK) und/oder ab einem Serumferritin von über 1.000 ng/ml auftreten. Eine sorgfältige Dokumentation der Anzahl der verabreichten Erythrozytenkonzentraten (EK) und der gemessenen Serumferritinwerte, z.B. in einem Transfusionspass kann rechtzeitig auf die Gefahr einer Eisenüberladung hinweisen. Patienten sollten in diesem Fall mit ihrem Arzt oder Transfusionszentrum Rücksprache halten.

Quellen:
[1] Delbrück: Leben mit CML, W.Kohlhammer GmbH, 3. Auflage, 2008
[2] Gekle et al: Taschenlehrbuch Physiologie, Thieme Verlag, 2010
[3] Hölzer, Seipelt: Leukämietherapie Uni-med Science Verlag, 2. Auflage, 2004
[4] Nielsen: Therapieoptionen bei Eisenüberladungskrankheiten. Unimed Science Verlag, 1. Auflage 2006

Erstellt am: 21.04.2011
Autor: Michaela Spaeth-Dierl

Dies ist ein Service von Novartis Oncology
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