Bei Patienten mit krankhaft erhöhten Eisenspiegeln im Blut ist eine medikamentöse Therapie mit sogenannten Eisenchelatoren möglich. Diese können schwerwiegende Folgen verhindern und sogar das Leben verlängern. Doch sie müssen dauerhaft und konsequent angewendet werden. Neue Präparate zeichnen sich durch eine kontinuierliche 24-Stunden-Wirkung aus.
Neben dem Aderlass steht bei krankhaft erhöhten Eisenspiegeln im Blut eine medikamentöse Therapie mit sogenannten Eisenchelatoren zur Verfügung, um eine schwerwiegende Eisenüberladung möglichst zu verhindern oder wirksam zu reduzieren.
So zeigte beispielsweise eine Studie, dass sich bei Patienten mit Beta-Thalassämie durch eine Eisenchelat-Therapie das Überleben deutlich verlängern lässt: Patienten, die ihre Eisenspiegel medikamentös nur unzureichend kontrollierten, hatten eine signifikant geringere Wahrscheinlichkeit, das 25. Lebensjahr zu erreichen, als Patienten, die ihre Therapie optimal anwendeten.
Außerdem gibt es Anhaltspunkte aus Studien mit Patienten, die an myelodysplastischem Syndrom (MDS) erkrankt waren, dass eine konsequente Eisenchelat-Therapie einen günstigen Effekt auf die Blutbildung haben und daher die Notwendigkeit von Transfusionen womöglich reduzieren kann.
Bei der Entscheidung über den Beginn der Therapie und bei deren Kontrolle spielt die Diagnose eine wichtige Rolle. So wird empfohlen, regelmäßig (mindestens alle drei Monate) das Serumferritin im Blut zu messen. Steigt der Wert über 1.000 ng/ml, liegt bereits eine Eisenüberladung vor, die im Allgemeinen jedoch noch nicht bedrohlich ist.
In Abhängigkeit von weiteren Faktoren - etwa der Schwere der Grunderkrankung, den Begleiterkrankungen oder dem Ausmaß der Transfusionsbedürftigkeit - wird ab dieser Grenze diskutiert, ob eine Therapie mit Eisenchelatoren sinnvoll bzw. notwendig ist.
Die derzeit erhältlichen Medikamente basieren alle auf einem ähnlichen Wirkprinzip: Sie sind sogenannte Chelatbildner (Chelat = griechisch für Kralle oder Krebsschere) und können ein Eisenion wie eine Krebsschere umgreifen. Das Chelatormolekül wird dann mitsamt dem gebundenen Eisen über die Galle in den Stuhl oder über die Niere in den Urin ausgeschieden. Dabei ist es allerdings wichtig, dass die Eisenchelatoren ihre Wirkung im Körper möglichst kontinuierlich, also 24 Stunden am Tag entfalten.
Bei dauerhafter, konsequenter Therapie gelingt es auf diese Weise allmählich, das Eisen wieder aus dem Kreislauf und den Geweben zu entfernten. Ein Behandlungserfolg wird erkennbar, wenn die Ferritinkonzentrationen im Serum sinken. Zusätzlich kann auch die Urineisenausscheidung im 24-Stunden-Sammelurin gemessen werden.
Da der Therapieerfolg wesentlich von der konsequenten Mitarbeit (Compliance) des Patienten abhängt, müssen er und seine Angehörigen umfassend über die Notwendigkeit, die Durchführung und die möglichen Nebenwirkungen der Therapie aufgeklärt werden. Zudem kann ein gut verträgliches, einfach anzuwendendes Medikament dazu beitragen, dass der Patient - wie erforderlich - die Therapie über einen langen Zeitraum optimal anwendet.
In Deutschland sind derzeit drei Eisenchelatoren für unterschiedliche Anwendungsgebiete zugelassen. Die Entwicklung neuer Präparate zielt darauf ab, Nebenwirkungen zu reduzieren und die Einnahme für den Patienten so einfach wie möglich zu gestalten. Einer der neuesten Eisenchelatoren muss beispielsweise nur noch einmal täglich als Tablette eingenommen werden. Aktuelle Studienergebnisse bescheinigen diesem neuen Medikament sehr gute Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Beta-Thalassämie, Sichelzell-Anämie und myelodysplastischem Syndrom (MDS).