Eisenüberladung kann heutzutage wirksam behandelt werden. Wichtig ist, die Therapie nicht zu unterbrechen, auch wenn die Betroffenen ihre Erkrankung nicht spüren.
Wie wird Eisenüberladung im Kindesalter behandelt?Kinder, die lebenslang auf Bluttransfusionen angewiesen sein werden, weil ihr Körper nicht genügend funktionsfähige rote Blutkörperchen (Erythrozyten) bilden kann, erhalten sogenannte Eisenchelatoren. Das ist zum Beispiel bei Thalassämie und anderen anhaltenden Blutbildungsstörungen der Fall. Die Behandlung muss lebenslang erfolgen und sollte nicht unterbrochen werden.
Eisenchelatoren sind Eiweißmoleküle, die Eisen binden und auf dem Weg über die Niere und Harnblase bzw. die Leber und den Darm aus dem Körper entfernen. In Deutschland wurden bisher drei Eisenchelatoren zugelassen:
Für den Verlauf einer Eisenüberladung ist entscheidend, wie konsequent und regelmäßig die Behandlung durchgeführt wird. Zu Zeiten, als Eisenchelatoren nur mittels Injektion und Pumpe verabreicht werden konnten, sei es oft vorgekommen, dass die Patienten die Therapie unter- oder sogar abgebrochen hätten, so Regine Grosse, Kinderärztin in der Kinderhämatologischen Ambulanz des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Besonders wenn Kinder in die Pubertät gekommen seien, wären oft Probleme aufgetreten.
"Mit den neuen Medikamenten ist das Leben für die betroffenen Kinder sehr viel leichter geworden", sagt Grosse. Trotzdem bestehe das Problem der regelmäßigen Behandlung - wie bei allen chronischen Erkrankungen - fort. "Mal die Medikamente zu nehmen und dann vier Wochen in die Türkei in Urlaub zu fliegen und zu sagen: "Ach, das lassen wir jetzt mal, geht eben nicht. Man muss immer am Ball bleiben."
Die Anstrengungen der regelmäßigen Therapie würden sich jedoch auszahlen. "Bei konsequenter Behandlung haben die Kinder eine normale Lebenserwartung", betont Grosse. "Das ist nicht immer so gewesen." Bevor Eisenchelatoren für die Behandlung zur Verfügung gestanden hätten, seien die Betroffenen mit etwa 20 Jahren gestorben. Nach der Einführung von Deferoxamin habe sich die Lebensspanne auf etwa 40 Jahre verlängert.
"Heute gehen wir davon aus, dass die Kinder ein ganz normales Leben führen können. Sie können später auch selbst Kinder bekommen, was früher aufgrund der Eisenablagerungen unmöglich war." Voraussetzung dafür sei allerdings eine ganz kontinuierliche Behandlung, auch wenn diese bei einer Erkrankung, die man weder sehe noch fühle, besonders schwer durchzuhalten sei. Das Fazit von Grosse ist eindeutig: "Der Aufwand lohnt sich!"