Neben dem myelodysplastischen Syndrom (MDS) gibt es noch weitere Formen der Blutarmut (Anämieformen), die regelmäßige Bluttransfusionen notwendig machen.
Eine Reihe von Krankheiten kann dazu führen, dass die Produktion von Blutzellen im Knochenmark gestört wird. Einige von ihnen werden mit regelmäßigen Bluttransfusionen behandelt, die wiederum Auslöser für eine lebensgefährliche Eisenüberladung des Körpers sein können.
Bei der sogenannten aplastischen Anämie produziert das Knochenmark zu wenig Blutzellen, da die funktionsfähigen Knochenmarkszellen durch Fettzellen verdrängt werden. Mediziner unterscheiden angeborene Anämieformen, z. B. die sogenannte Fanconi-Anämie, von Formen der aplastischen Anämie, die durch äußere Einflüsse ausgelöst werden. Hierzu gehören unter anderem Strahlenschäden, die Einwirkung bestimmter Chemikalien (vor allem Benzol), Nebenwirkungen einiger Arzneimittel und Infektionen mit bestimmten Erregern, beispielsweise Hepatitis-Viren.
Anzeichen der Anämieform aplastische Anämie, die von den Betroffenen als erstes bemerkt werden, sind oftmals Nasen- und Zahnfleischbluten sowie eine Neigung zu blauen Flecken auch bei kleineren Stoßverletzungen. Dies kommt dadurch zustande, dass die für die Blutgerinnung benötigten Thrombozyten (Blutplättchen) nicht in ausreichender Zahl gebildet werden, wodurch das Blut weniger leicht gerinnt, also „flüssiger" wird. Solange keine Stammzell- bzw. Knochenmarkstransplantation von einem blutsverwandten Spender möglich ist, sind Patienten mit aplastischer Anämie auf regelmäßige Bluttransfusionen angewiesen. Einer gesundheitsschädlichen Eisenüberladung infolge regelmäßiger Transfusionen kann durch die Gabe von Eisenchelatoren vorgebeugt werden. Die aplastische Anämie ist in Europa zum Glück eine seltene Erkrankung.
Im Gegensatz zur aplastischen Anämie ist bei der Pure Red Cell Aplasia (PRCA) nur die Bildung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) gestört. Diese sind für die Sauerstoffversorgung des Organismus zuständig. Ein Mangel führt daher zu Symptomen wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit und verminderter körperlicher Belastbarkeit. Die Behandlung kann durch regelmäßige Bluttransfusionen und begleitende Therapie mit Eisenchelatoren erfolgen.
Einen Umbau der Struktur des Knochenmarks in Bindegewebe bezeichnet man als Knochenmarkfibrose bzw. Osteomyelofibrose (OMF). Der Auslöser dieser Veränderung ist in der Regel eine entartete Stammzelle, die sich unkontrolliert teilt. Das veränderte Knochenmark vermag nicht mehr in ausreichender Menge für die Blutbildung zu sorgen, was andere Organe wie die Milz dazu veranlasst, diese Aufgabe (mit) zu übernehmen und sich dabei zu vergrößern. Da die außerhalb des Knochenmarks gebildeten Blutzellen nicht so funktionsfähig sind, leiden die Patienten unter den bekannten Beschwerden einer Blutarmut wie Müdigkeit und verminderte körperliche Leistungsfähigkeit.
Alle geschilderten Anämieformen haben die Gemeinsamkeit, dass sie zu Blutbildveränderungen führen, die durch die regelmäßige Gabe von Bluttransfusionen behandelt werden können. Auch wenn diese Blutübertragungen die Beschwerden der Patienten lindern und ihnen unter Umständen das Leben retten, verbindet sie doch auch der Nachteil, dass sich das dabei übertragene Eisen im Körper anreichert und über kurz oder lang zur Gefahr für den Organismus wird. Mithilfe von Eisenchelatoren kann das überschüssige Eisen jedoch wieder aus dem Körper entfernt werden.