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Störungen der Blutbildung: Vorsicht vor Eisenüberladung

26.02.2009

Blutbildungsstörungen gehen auf Störungen im Erbgut zurück oder werden während des Lebens erworben. Manche führen zu Eisenüberladung.

Störung der BlutbildungAlle drei Zellreihen des Bluts können von Blutbildungsstörungen betroffen sein: Die roten Blutzellen (Erythrozyten), die weißen Blutzellen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten). Die Ursachen von Blutbildungsstörungen sind zahlreich. Sind die roten Blutzellen betroffen, besteht die Störung dauerhaft oder wiederholt und werden zur Behandlung regelmäßige Transfusionen eingesetzt, besteht die Möglichkeit der Überladung des Körpers mit Eisen. In diesem Artikel stellen wir Ihnen ausschließlich solche Erkrankungen vor, die mit dem Eisenstoffwechsel in Verbindung stehen und die die Gefahr einer Eisenüberladung bergen.

 

Zu wenig roter Blutfarbstoff: Symptome von Anämien

Von einer Anämie (Blutarmut) wird gesprochen, wenn die Menge des roten Blutfarbstoffs im Blut verringert ist. Hämoglobin ist der wichtigste Bestandteil der Erythrozyten und transportiert den Sauerstoff im Blut. Unabhängig von ihrer Ursache können bestimmte Symptome bei allen Anämien auftreten:

  • Verringerte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
  • Schwindel, Kopfschmerzen
  • Luftnot bei Belastung oder sogar bereits in Ruhe
  • Beschleunigter Herzschlag, Herzklopfen, Ohrensausen
  • Blasse Schleimhäute (Augen, Mund u.a.)

Erblich bedingte Anämien

Thalassämie: Die Thalassämie ist die wichtigste erblich bedingte Anämie. Aufgrund von Abweichungen im Erbgut ist die normale Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin gestört. Hämoglobin besteht aus insgesamt vier Eiweißketten: Zwei alpha-Ketten und zwei beta-Ketten. Je nach Art der Thalassämie werden die alpha- bzw. beta-Ketten im Körper vermindert gebildet. Bei der Thalassämia major, der schwersten Form der Erkrankung, findet sich die Abweichung sowohl in den Erbgut-Anteilen, die der Patient von der Mutter bekommen hat, als auch in den Erbgut-Anteilen, die vom Vater stammen.

Um den Hämoglobin-Mangel auszugleichen, wird bei unbehandelter Thalassämia major die Blutbildung stark angeregt. Das Knochenmark vermehrt sich und verdrängt zum Teil die umliegenden Knochen. Dadurch kann es zu Skelettveränderungen kommen, auch Milz und Herz werden stark belastet. Durch regelmäßige Blutübertragungen werden diese Krankheitsfolgen weitgehend vermieden. Patienten, die an Thalassämia major leiden, erhalten daher häufig Bluttransfusionen. Sie sind deshalb besonders durch Eisenüberladung gefährdet.

Sichelzellanämie: Bei der Sichelzellanämie liegt eine Veränderung im Erbgut des roten Blutfarbstoffs vor, die bei Sauerstoffmangel zu einer Verformung der roten Blutkörperchen führt. In größerer Höhe (Gebirge, im Flugzeug - der Innendruck der Kabine entspricht bei Fernflügen einer Höhe von ca. 2.000m) oder bei Anstrengung kann es zur Auflösung der roten Blutzellen und durch Verklumpung zu schweren Störungen der Blutversorgung kommen. Starke Schmerzen und Schäden an Nieren, Milz und Herz können die Folge sein. Treten Phasen auf, in denen keine roten Blutzellen gebildet werden (aplastische Krise), können Blutübertragungen erforderlich sein. Daher besteht auch bei Patienten mit Sichelzellanämie die Gefahr einer Eisenüberladung.

 

Anämien durch Verdrängung der normalen Blutbildung im Knochenmark

Leukämie: Bei Leukämien kommt es zur unkontrollierten Vermehrung von weißen Blutzellen. Die Bildung der Leukozyten verdrängt die Ausgangs- und Vorläuferzellen von roten Blutzellen aus dem Knochenmark, sodass ein Mangel an roten Blutzellen entstehen kann. In besonderem Maße ist das bei der chronisch myeloischen Leukämie (CML), aber auch bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) und der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) der Fall. Leukämien werden durch Blut- und Knochenmarksuntersuchungen diagnostiziert.

Der Mangel an roten Blutzellen kann wiederholte Blutübertragungen erforderlich machen, sodass die Gefahr einer Eisenüberladung besteht. Die akute und chronisch myeloische Leukämie können durch Medikamente bzw. Knochenmark- oder Blutstammzelltransplantationen behandelt werden. Ist die Therapie erfolgreich, normalisiert sich die Bildung sowohl der roten als auch der weißen Blutzellen.

Metastasen bei Krebs: Tochtergeschwülste (Metastasen) von Krebstumoren können sich unter anderem auch in den Knochen bilden und dadurch das Knochenmark und die Blutbildung beeinträchtigen. Dadurch können Blutübertragungen erforderlich werden, die mit der Gefahr einer Eisenüberladung einhergehen. Verschiedene Krebsarten neigen in unterschiedlichem Maß zur Absiedelung in die Knochen.

 

Anämien durch Beeinträchtigung der Bildung von roten Blutzellen

Aplastische Anämie: Aplastische Anämien (aplastisch: nicht-bildend) sind durch eine stark verminderte oder völlig ausbleibende Bildung von Blutzellen gekennzeichnet. Betroffen sind alle drei Blutzellreihen: die roten Blutzellen (Erythrozyten), die weißen Blutzellen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten). Die Erkrankung ist selten, wobei sie zumeist zu Lebzeiten erworben wird. Nur in sehr seltenen Fällen handelt es sich um eine erblich bedingte Störung (Fanconi-Anämie, Diamond-Blackfan-Syndrom).

In etwa drei Viertel der Erkrankungsfälle kann keine Ursache der Blutbildungsstörung ermittelt werden. Die restlichen Fälle gehen zu jeweils einem Zehntel auf Giftstoffe (z.B. Benzol) und auf sehr seltene Medikamentennebenwirkungen zurück. Strahlenschäden und Viren sind weitere bekannte Ursachen von aplastischer Anämie.

Die Diagnose erfolgt durch Blut- und Knochenmarkuntersuchungen. Zur Behandlung werden Bluttransfusionen (Gefahr der Eisenüberladung) oder die Blutstammzelltransplantation eingesetzt.

 

Anämien durch Mangelzustände

Bei diesen Anämien ist die Entwicklung der roten Blutkörperchen gestört.

Eisenmangel: Ein Eisenmangel kann im Körper in Folge ungenügender Zufuhr mit der Nahrung auftreten. Insbesondere Kinder in Wachstumsphasen, Frauen im gebärfähigen Alter (Eisenverlust durch die Monatsblutung) und Schwangere sind gefährdet. Außerhalb dieses Personenkreises sind Blutungen die wichtigste Ursache von Eisenmangel. Diese können z.B. bei Entzündungserkrankungen im Körper auch unbemerkt erfolgen. Die Eisenmangelanämie wird durch eine einfache Blutuntersuchung nachgewiesen. Die Suche nach Blutungsquellen im Körper kann sehr aufwändig sein. Wird eine Eisenmangelanämie zu lange oder zu hoch dosiert behandelt, kann es zur Eisenüberladung kommen.

 

Quelle: Nach Informationen von Classen M, Diehl V, Kochsiek K: Innere Medizin (2. Auflage). Urban & Schwarzenberg. München, Wien, Baltimore 1993
Autor: JG
Stand: 26-02-2009

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