Blutwerte allein erlauben keine zuverlässige Einschätzung der Eisenbelastung. Die Bestimmung des Leber-Eisens ist ausreichend zuverlässig und gibt Aufschluss über den Krankheitsverlauf.
Entscheidend für den Verlauf: Wie viel Eisen ist im Körper?Durch Blutuntersuchungen können wertvolle Informationen über den Eisenstoffwechsel gesammelt werden. Die Bestimmung von Eisen im zellfreien Blut, Transferrin (Transporteiweiß für Eisen), Transferrinsättigung (Auslastung des Transporteiweißes) und Ferritin (Speichereiweiß für Eisen) liefert jedoch nur indirekte Hinweise auf die Menge an Eisen, die sich in Körperorganen abgelagert hat. Diese Hinweise werden umso unzuverlässiger, je größer die Belastung mit Eisen ist.
Um die Gefahr von Schäden an Körperorganen wie der Leber, dem Herzen, der Bauchspeicheldrüse, der Schilddrüse, der Hirnanhangsdrüse oder den Keimdrüsen abschätzen und eine optimale Behandlung gewährleisten zu können, ist es jedoch unerlässlich, die im Körper abgelagerte Eisenmenge möglichst genau zu kennen. Bei Verdacht auf eine Eisenüberladung müssen deshalb über die Blutuntersuchung hinausgehende Verfahren eingesetzt werden, um den Eisengehalt des Körpers zu ermitteln.
Untersuchungen haben ergeben, dass sich vier Fünftel des im Körper abgelagerten Eisens in der Leber befinden. Das Organ eignet sich deshalb besonders gut, um die im Körper gespeicherte Eisenmenge zuverlässig zu bestimmen. Dies gelingt mit drei unterschiedlichen Methoden:
Das direkteste Verfahren zur Bestimmung des Leber-Eisengehalts ist die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe aus der Leber mittels einer Hohlnadel. Die Patienten erhalten vorab eine örtliche Betäubung und in der Regel ein Beruhigungsmittel. Die Nadel wird dann unter Kontrolle mit Hilfe eines Ultraschallgerätes in die Leber vorgeschoben, um sicherzustellen, dass keine größeren Blutgefäße verletzt werden. Der im Anschluss an die Untersuchung in der Nadel verbleibende Zylinder enthält die Gewebeprobe, mit deren Hilfe im Labor der genaue Eisengehalt bestimmt werden kann.
Die Leberbiopsie hat gegenüber den anderen beiden Messverfahren den Vorteil, dass die vorhandene Eisenmenge direkt und exakt gemessen wird. Außerdem lassen sich anhand der Probe Gewebeveränderungen nachweisen, die zusätzliche Informationen über die Erkrankung liefern.
Obwohl Leberbiopsien zumeist problemlos verlaufen, besteht allerdings ein geringes Risiko für Blutungen oder Infektionen infolge der Gewebeentnahme. Außerdem kann die Leberbiopsie zu falschen Ergebnissen führen, wenn das Eisen in der Leber nicht gleichmäßig verteilt ist. Aus diesem Grund werden inzwischen nicht invasive Messverfahren bevorzugt.
Die Eisenbestimmung mit dem SQUID-Biomagnetometer basiert auf der Störung von Magnetfeldern durch Eisen. Bei der Messung liegen die Patienten auf einer Liege, die durch ein sehr gleichmäßiges Magnetfeld bewegt wird. Eine spezielle, ultragenaue Messvorrichtung (SQUID) registriert Veränderungen des Magnetfelds durch das Eisen, das sich in der Leber befindet. Aus der Stärke der Magnetfeldänderungen kann der genaue Eisengehalt des Organs errechnet werden.
Die Eisenbestimmung mit dem SQUID-Biomagnetometer hat jedoch den entscheidenden Nachteil, dass weltweit nur vier der aufwendigen, teuren Geräte existieren. In Deutschland kann die Untersuchung ausschließlich am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf (UKE) vorgenommen werden. Patienten müssen unter Umständen weite Wege in Kauf nehmen.
Obwohl auch bei der Bestimmung des Leber-Eisens mittels Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspintomographie) Magnetfelder eine Rolle spielen, unterscheidet sich das Verfahren grundlegend von dem SQUID-Biomagnetometer. Beim MRT regen wechselnde elektromagnetische Felder in einem starken Magnetfeld Atomkerne zu Schwingungen an, die gemessen und zu einem dreidimensionalen Bild zusammengesetzt werden.
Wissenschaftlern ist es gelungen, durch gezielte Ansteuerung des MRT-Geräts Bilder der Leber zu erzeugen, aus denen der Eisengehalt des Organs berechnet werden kann. Im Prinzip lässt sich die Bestimmung des Leber-Eisens an jedem technisch geeigneten Magnetresonanztomographen vornehmen. Da es sich jedoch um eine Spezialuntersuchung handelt, empfehlen Experten, diese nur in Zentren vornehmen zu lassen, die über ausreichend Erfahrung verfügen. Dazu zählen unter anderem die Universitätskliniken
und Ulm, die Medizinische Hochschule Hannover sowie das Klinikum Nürnberg.
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